"Viele wissen nicht einmal, was Säkularismus ist"
ROM, 5. April 2011 (ZENIT.org).- Die Zukunft der Christen in Ägypten ist unsicher, meint der ägyptische Islamwissenschaftler Pater Samir Khalil SamirSJ. In einem Essay für die Nachrichtenagentur AsisaNews analysiert er die bisherige Entwicklung seit den Revolutionen in Tunesien und Ägypten und den Aufständen in Syrien. In dem Land am Nil befürworteten dem Jesuiten zufolge nur 30 Prozent die Abschaffung des Artikels 2 der Verfassung, der die Scharia als die Hauptquelle der Gesetzgebung vorsieht.
Die christliche Minderheit der Kopten strebten eine säkulare Demokratie an. In der Praxis des Nahen Ostens von heute jedoch erreichten sie dieses Ziel nicht. Nur aus dem Grund befürworteten sie zum Teil ein autoritäres Regime, um sich so ein Minimum an Religionsfreiheit zu sichern.
Diejenigen Ägypter, die nicht für eine Abschaffung des umstrittenen Scharia-Artikels plädierten, seien nicht unbedingt Islamisten. Vielmehr fehlte ihnen ein Bewusstsein für die mit der Bestimmung verbundenen Probleme. „In der arabischen Welt wird über Säkularismus diskutiert, jedoch wissen viele nicht einmal, was das ist."
Derzeit betreibe die Muslimbruderschaft aktiv Propaganda gegen ein säkulares System, in dem Muslime und Christen gleichberechtigt zusammenlebten. Sie schilderten das Szenario eines säkularen Ägypten, in dem Drogen- und Alkoholkonsum, aufreizende Bekleidung der Frauen und Homoehe verbreitet seien. Die jungen Leute, die Akteure der Tahrir-Revolution waren, hätten bislang noch keine Führungsfigur hervorgebracht. „Sie müssen eine Führungsfigur finden, die die treibende Kraft sein kann, ansonsten besteht die Gefahr eines Rückschlags", schreibt der Jesuit.