05.04.2011
Vietnam: Katholiken festgenommen
Verhaftungswelle nach Unterstützung eines prominenten Dissidenten
HANOI, Vietnam, 5. April 2011 (ZENIT.org).- In Vietnam sind mindestens 29 Katholiken Montagmorgen um acht Uhr festgenommen worden, als sie sich zum Gerichtsgebäude begeben wollten, um das Verfahren gegen den Anwalt und Aktivisten Cu Huy Vu Ha zu beobachten. Der bekannte Menschenrechtsanwalt und Dichter, der oftmals Katholiken vertritt, war am Montag in einem Schauprozess nach nur vierstündiger Verhandlung zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, wie AsiaNews berichtet.
Die Nachrichtenagentur stützt sich bei den Angaben über die jüngste Verhaftungswelle auf die Katholische Jugendorganisation der nördlichen Provinzhauptstadt Vinh. Unter den Verhafteten sind der katholische Blogger und Internetjournalist Paulus Le Son und der Leiter der Katholischen Studentengruppe John Nguyen Van Tam, sowie der katholische Anwalt Le Quoc Quan, der für den Kongress kandidiert.
In den vergangenen Tagen trafen sich Zehntausende Katholiken im Land zum Gebet, zu Vigilfeiern und zu einer Heiligen Messe, um den politischen Häftling dadurch zu unterstützen. In einer Prozession pilgerten sie zum Marienheiligtum Unserer Lieben Frau von der ständigen Hilfsbereitschaft, wo sie für das Land, für Gerechtigkeit,Wahrheit und ihren angeklagten Landsmann beteten.Viele waren zum nächsten Gebetstreffen Hunderte von Kilometern weit gereist.
Wie AsiaNews weiter berichtet, wandten die Sicherheitskräfte bei der Festnahme Gewalt an. Sie schlugen zudem Passanten, die den Opfern zu Hilfe geeilt waren. Die Vorgänge um den politischen Prozess veranlassten darüber hinaus das US-amerikanischen Außenministerium zu einer Stellungnahme: „Wir sind auch beunruhigt, dass es sich offensichtlich nicht um ein faires Verfahren handelt, was sich im Verlauf des Prozesses zeigt, sowie darüber, dass mehrere Personen weiterhin inhaftiert sind, die friedlich versucht hatten, das Verfahren zu beobachten."
Vu war vorigen November während einer Verhaftungswelle, die sich gegen Dissidenten richtete, festgesetzt worden. Monate zuvor hatte er der herrschenden Kommunistischen Partei zur Last gelegt, lediglich den illegalen Gewinnen einer kleinen Gruppe zu dienen und hatte die Verhaftung Hunderttausender von politischen Vertretern Südvietnams nach dem Sieg des Vietcong im Jahr 1975 kritisiert. Bereits 2009 legte sich Cu Huy Ha Vu mit dem Regime an, indem er Premierminister Nguyen Tan Dung die Zerstörung der Lebensgrundlage vieler Minderheiten anlastete, weil dieser für den Bauxitabbau in Zentralvietnam grünes Licht gegeben hatte. Die Gewinnung verursacht dort schwerwiegende Umweltprobleme.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Anwalt „Propaganda gegen den Staat" verbreitet, das Ansehen der Regierung „besudelt" und Mittel der psychologischen Kriegsführung angewandt habe. Sein Ziel sei es, das Regime zu stürzen und ein Mehrparteiensystem zu errichten.
[Bearbeitung: Michaela Koller]