08.04.2011
Elfenbeinküste: Im Bürgerkrieg steckt viel Religion
Menschenrechtsexpertin: Muslime wollen die Oberhand über Christen gewinnen
Elfenbeinküste: Im Bürgerkrieg steckt viel Religion
Menschenrechtsexpertin: Muslime wollen die Oberhand über Christen gewinnen
Abidjan/Melbourne (idea) – Hinter dem Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste steht ein massiver ethnisch-religiöser Konflikt. Muslime versuchen, in dem westafrikanischen Land die Oberhand über die christlich-naturreligiöse Mehrheit zu gewinnen. Darauf macht die evangelikale Expertin für Religionsfreiheit Elizabeth Kendal (Melbourne/Australien) in ihrem jüngsten Gebetsrundbrief aufmerksam. Von den rund 20 Millionen Einwohnern der Elfenbeinküste sind 38 Prozent Muslime. Sie leben vor allem im landwirtschaftlich geprägten Norden, während Christen und Anhänger von Naturreligionen vor allem im städtisch und industriell geprägten Süden beheimatet sind. 27,5 Prozent der Bevölkerung sind Christen, davon 5,5 Prozent Protestanten. Die Anhänger von Naturreligionen stellen 34,5 Prozent. Im Bürgerkrieg liefern sich Anhänger des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara (69) und des seit elf Jahren amtierenden Staatschef Laurent Gbagbo (65) blutige Kämpfe. Bei den Präsidentschaftswahlen im November erhielt der Muslim Ouattara nach Angaben der Wahlkommission 54,1 Prozent der Stimmen, doch nach Ansicht des Verfassungsgerichtshofs wurde der Katholik Gbagbo mit 51,5 Prozent gewählt. Dieser weigerte sich, sein Amt aufzugeben. Die Kämpfe zwischen den Anhängern der beiden Politiker haben mindestens 800 Todesopfer gefordert. Rund eine Million Menschen sind auf der Flucht.
Massive Einwanderung von Muslimen
Wie Kendal schreibt, spiele Ouattara im Machtkampf die „religiöse Karte“ aus. Seit Jahrzehnten erlebe die Elfenbeinküste eine massive Einwanderung von Muslimen. Ouattara, der von islamischen Ländern unterstützt werde, trete für ihre Einbürgerung ein, um so den Muslimen eine Übermacht zu verschaffen. Wer sich dagegen sträube, werde als „rassistisch“ oder „fremdenfeindlich“ kritisiert. Gbagbo verfolge eine nationalistische Linie, die sich gegen jeden „Neo-Kolonialismus“ wende.
Gegen französischen „Neokolonialismus“
Bei den Wahlen hat es laut Kendal Unregelmäßigkeiten gegeben. Entgegen getroffener Vereinbarungen hätten die muslimischen Rebellen im Norden nicht zuvor ihre Waffen niedergelegt. Die Wahlkommission, die Ouattara zum Sieger erklärte, sei überwiegend mit seinen Anhängern besetzt gewesen. Laut Kendal gründet sich Ouattaras internationale Unterstützung auch darauf, dass sich westliche Staaten - besonders die ehemalige Kolonialmacht Frankreich - den Zugang zu Bodenschätzen wie Öl und Diamanten sowie dem Hauptexportprodukt Kakao sichern wollten. Die Elfenbeinküste sei zudem verpflichtet, 85 Prozent ihrer Devisenreserven in der französischen Staatskasse zu hinterlegen. Dadurch werde die Armut des Landes fortgeschrieben. Kendal kritisiert auch den Militäreinsatz Frankreichs gegen die Anhänger Gbagbos.
Christliche Weltverbände fordern Ende des Bürgerkriegs
Unterdessen haben die internationalen ökumenischen und evangelikalen Dachorganisationen ein Ende des Bürgerkriegs und eine friedliche Lösung des Konflikts gefordert. Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit (Genf), warnte davor, religiöse Konflikte in dem westafrikanischen Land zu schüren. Religion werde missbraucht, um politische und wirtschaftliche Macht zu gewinnen. Tveit rief die Führer beider Konfliktparteien auf, eine politische Lösung zu suchen, um Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung im Land zu erreichen. Ähnlich äußerte sich der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), Geoff Tunnicliffe (New York). Er forderte zur Beendigung der Kämpfe und zum Schutz der Zivilbevölkerung auf. Gleichzeitig rief er zum Gebet für die Elfenbeinküste auf. Die WEA repräsentiert rund 600 Millionen Evangelikale in 128 Ländern. Dem ÖRK gehören 349 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen mit über 560 Millionen Mitgliedern in 110 Ländern an.