29.03.2011

Israel: Glauben im Zeichen des Terrors

In der vergangenen Woche explodierte eine Bombe im Zentrum Jerusalems. Wer steckt dahinter? Israelnetz-Korrespondent Johannes Gerloff gibt eine Einschätzung zur Lage in Israel.

Israel: Glauben im Zeichen des Terrors

In der vergangenen Woche explodierte eine Bombe im Zentrum Jerusalems. Wer steckt dahinter? Israelnetz-Korrespondent Johannes Gerloff gibt eine Einschätzung zur Lage in Israel.

 

„Den Segen des Wortes Gottes weitergeben“ wollte die 55-jährige Mary Gardner. „Wie könnte ich das nicht tun“, fragte sich die Schottin, „habe ich doch durch Gottes Wort so viel Freude und Frieden erfahren?!“ Federführend war die Wycliff-Bibelübersetzerin zwei Jahrzehnte lang im westafrikanischen Togo an der Übersetzung des Neuen Testaments in die Stammessprache der Ife beteiligt. 2009 war das Projekt abgeschlossen. Seit Januar 2011 bereitete sich die evangelikale Christin an der Hebräischen Universität in Jerusalem auf die Übersetzung des Alten Testaments vor.

Am 23. März explodierte an einer Bushaltestelle zwischen dem Jerusalemer Kongresszentrum und der zentralen Busstation eine Bombe. Mary Gardner stand direkt vor der Tasche mit dem Sprengsatz. Ihr Körper fing die Hauptwucht der Explosion ab. Dadurch wurden viele Menschenleben gerettet. Kurze Zeit später erlag Gardner ihren schweren Verletzungen.

Die vergangenen Jahre waren im terror- und kriegsgewöhnten Israel auffallend ruhig. Zuletzt waren im Juli 2008 beim sogenannten „Bulldozer-Anschlag“ drei Menschen ermordet worden, im März desselben Jahres fielen acht Talmudstudenten der „Rav-Kook-Jeschiwa“ einem Selbstmordschützen zum Opfer. Der letzte Selbstmordbombenanschlag hatte im Februar 2004 in Jerusalem stattgefunden.

Der Grund für die Ruhe waren nicht etwa die fehlende Motivation oder gar Einsicht aufseiten der Palästinenser, sondern der Mangel an Möglichkeiten, Terroranschläge durchzuführen. Israels Sicherheitskräfte konnten die Ruhezeit erzwingen: durch die Sperranlage in Richtung der Palästinensergebiete und die hervorragende Arbeit der Nachrichtendienste. Bei der Verfolgung von Terroristen achten sie auf keinerlei Grenzen. Entscheidend ist schließlich die beispiellose Zusammenarbeit mit den palästinensischen Sicherheitskräften – begründet in der gemeinsamen Angst vor der radikal-islamischen Hamas.

Jesus-gläubige sind besonders häufig Terroropfer

Auffallend war aber nicht nur die Ruhe, sondern auch, dass bei den wenigen Terroranschlägen, deren Durchführung gelang, auffällig viele Jesus-gläubige Menschen betroffen waren. Kurz vor Weihnachten 2010 wurden im Jerusalemer Wald die amerikanische Christin Christine Logan erstochen und ihre israelische Freundin Kaye Wilson schwer verletzt. Unter den mehr als 50 Verletzten des Busanschlags vom 23. März waren auch Schüler der messianisch-jüdischen Schule „Makor HaTikva“.

Zwei Christen wurden zu Blutzeugen

Logan und jetzt Gardner wurden im wahrsten Sinne des Wortes zu „Blutzeugen“. „Plötzlich war Bibelübersetzung weltweit im Gespräch“, schrieb Halvor Ronning vom Home of Bibletranslators, an dessen Programm Gardner teilnahm. „Wir erahnen, dass Gott das, was böse gedacht war, für seine Zwecke gebraucht.“

Wer schürt den Konflikt im Heiligen Land?

Weder die Fatah in Ramallah noch die Hamas in Gaza und schon gar nicht die israelische Regierung sind derzeit an einer Eskalation interessiert. Aber wer steht dann hinter dem Anschlag? Bislang hat keine Organisation die Verantwortung übernommen.

In den letzten beiden März-Tagen fielen mehr als 50 Raketen und Mörsergranaten von Gaza aus auf Südisrael. Mindestens 13 arabische Terroristen verloren ihr Leben durch israelische Versuche, den Raketenbeschuss zu verhindern. Generalmajor Tal Russo – Kommandeur des Südabschnitts der israelischen Armee – befürchtet: „Die Hamas hat die Kontrolle über andere Organisationen im Gazastreifen verloren.“ Das Chaos herrscht. Dabei ist seit Jahren die große Herausforderung der radikal-islamischen Hamas nicht etwa die säkulare Fatah, sondern sogenannte „Al-Qaida nahestehende“ Gruppierungen: Salafiten, die der Hamas Kompromissbereitschaft vorwerfen.

idea und israelnetz