15.05.2011
Pakistan: Christen befürchten Anschläge der Taliban
Kirchenvertreter: Wir werden mit US-Soldaten gleichgesetzt
Rom/Islamabad (idea) – Nach der Ermordung des Terroristenführers Osama bin Laden durch US-Soldaten fürchten sich die Christen in Pakistan vor der Rache der radikal-islamischen Taliban. Das erklärte der dortige Präsident der katholischen bischöflichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Peter Jacob, laut einem Bericht von Radio Vatikan. In einer ersten Vergeltungsaktion hatten sich am 13. Mai in einem Ausbildungszentrum für Sicherheitskräfte im Nordwesten des Landes zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. 80 Menschen starben. Jacob befürchtet, dass dies erst der Anfang einer Anschlagsserie war. Die Taliban setzten die pakistanischen Christen mit den US-amerikanischen Soldaten gleich. Auch der evangelische Bischof von Lahore, Alexander John Malik, bestätigte gegenüber dem Deutschlandradio, dass sich die Christen in Pakistan zunehmend bedroht fühlen. Als Grund führt er auch die Ermordung von zwei Kritikern der umstrittenen Blasphemiegesetze an, die für eine Beleidigung des Propheten Mohammed die Todesstrafe vorsehen. Der Gouverneur der Provinz Punjab, Salmaan Taseer, wurde im Januar erschossen, der Minister für religiöse Minderheiten, der Christ Shabaz Bhatti, im März. Sie hatten eine Änderung der Blasphemiegesetze gefordert. Diese werden von radikalen Muslimen immer wieder dazu missbraucht, Christen fälschlich der Beleidigung Mohammeds zu bezichtigen.
Islamisten nehmen Gesellschaft in Geiselhaft
Laut Malik zeigt das Schweigen zu den Morden, dass militante Islamisten die pakistanische Gesellschaft in Geiselhaft genommen hätten: „Die Extremisten sind eine kleine Minderheit, viele Leute sind gemäßigt, nur sehr wenige sind wirklich liberal.“ Aber die Gemäßigten und Liberalen meldeten sich nicht zu Wort. Laut Malik sind die Gottesdienste trotz der schwierigen Lage für die Christen gut besucht. Die Zahl der Gemeindemitglieder steige. Malik gesteht zwar ein, dass auch er Angst hat, aber Auswanderung sei für ihn keine Option. Er ist seit 31 Jahren Bischof von Lahore.