14.12.2013

Syrien: Die Lage wird immer verzweifelter

Christen als nicht gleichberechtigte Menschen angesehen

Syrien: Die Lage wird immer verzweifelter

Christen als nicht gleichberechtigte Menschen angesehen

Damaskus (idea) – Die Lage in Syrien wird immer verzweifelter und verworrener. Im Bürgerkrieg kämpfen inzwischen die Oppositionellen nicht vereint gegen das Regime von Staatspräsident Baschar al-Assad, sondern sie bekriegen sich auch gegenseitig. Dabei setzen sich radikal-islamische Terrorgruppen immer mehr gegen die gemäßigten Kräfte durch. So hat die Islamische Front inzwischen schätzungsweise 45.000 Kämpfer im Vergleich zu den 15.000 der vom Westen unterstützten Freien Syrischen Armee. Die mit dem Terrornetzwerk El Kaida verbundenen Gruppen Isis und Al-Nusra-Front wollen einen islamischen Staat errichten. Besonders die Christen zählen zu den Hauptleidtragenden. Sie genossen unter dem Assad-Regime relative Glaubensfreiheit; von den Aufständischen werden sie als seine Verbündeten verfolgt. Sie seien überall in Lebensgefahr, sagte der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Homs und Hama, Selwanos Boutros Alnemeh, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Diese strahlte seine Aussagen in der Nachrichtensendung ideaHeute über Bibel TV aus. Etwa eine halbe Million Christen seien bereits geflohen. Der Erzbischof erinnerte an die Entführung der orthodoxen Erzbischöfe Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und Boulos Yazigi, die seit dem 22. April verschwunden sind. Ferner verschleppten kürzlich radikal-islamische Rebellen zwölf Nonnen aus dem orthodoxen Thekla-Kloster im Wallfahrtsort Maalula. Nach Angaben des orthodoxen Patriarchen Theophilos II. von Jerusalem und Jordanien sollen Christen mit solchen Aktionen vertrieben werden.

„Wir wollen unsere Rechte zurück“

Wie Boutros Alnemeh weiter sagte, werden Christen nicht als gleichberechtigte Menschen angesehen. „Aber Syrien ist unser Land, Syrien ist unsere Heimat und deshalb wollen wir unsere Rechte zurück“, so der Erzbischof. Man appelliere an alle Organisationen, für die Menschenrechte in Syrien einzustehen: „Wir wollen, dass alle Menschen in Freiheit leben können. Wir bitten um Frieden und ein gutes Leben in Syrien.“ Nach Schätzungen sollen im syrischen Bürgerkrieg in zweieinhalb Jahren mindestens 110.000 Menschen umgekommen sein. Von den 21 Millionen Einwohnern des Landes waren vor dem Bürgerkrieg 90 Prozent Muslime und 6,3 Prozent Christen, davon jeweils drei Prozent Katholiken und Orthodoxe plus kleine Gruppen von Protestanten. Die übrige Bevölkerung bestand aus Nichtreligiösen oder Anhängern anderer Religionen.