20.07.2013
Pakistan: Religiöse Minderheiten stark unter Druck
S-Kommission dokumentiert Anschläge auf Schiiten, Christen, Hindus und Sikhs
Pakistan: Religiöse Minderheiten stark unter Druck
S-Kommission dokumentiert Anschläge auf Schiiten, Christen, Hindus und Sikhs
Washington/Islamabad (idea) – In Pakistan hat sich die Menschenrechtslage besonders für religiöse Minderheiten verschlechtert. Schiitische Muslime, Christen, Hindus und Sikhs würden zunehmend Opfer von Gewalt, stellt die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit (Washington) in einem Bericht fest. Dieser enthält die Ergebnisse einer Studie über gewalttätige Übergriffe vom Januar 2012 bis Juni 2013. Insgesamt wurden 203 Vorkommnisse dokumentiert. Opfer wurden 1.800 Personen; davon wurden mehr als 700 getötet. Schiiten waren 77 Anschlägen ausgesetzt; in 37 Fällen richteten sie sich gegen Christen. Dabei verloren elf Menschen ihr Leben; 36 wurden verletzt. Bei 16 Übergriffen auf Hindus und drei auf Sikhs waren drei getötete Opfer zu beklagen. Sieben hinduistische Frauen wurden vergewaltigt. Nach Angaben der US-Kommission lässt das konsequente staatliche Eingreifen gegen solche Gewalttaten zu wünschen übrig. Polizeibeamte schauten bei Anschlägen auf religiöse Minderheiten oft weg oder nähmen Strafanzeigen nicht auf. „Das Klima der Straffreiheit“ werde auch durch das umstrittene Blasphemiegesetz gefördert. Es sieht die Todesstrafe für die Beleidigung des Islam vor, wird aber oft von Muslimen zum Austragen privater Streitigkeiten missbraucht. Mehr als 650 Christen sind seit Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr 1991 wegen eines oft unbegründeten Verdachts angeklagt worden. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen. Die seit 1998 bestehende unabhängige US-Kommission empfiehlt der Regierung in Washington Sanktionen gegen Länder, in denen die Religionsfreiheit schwer verletzt wird. Die Regierung muss den Empfehlungen aber nicht folgen.