26.07.2013

Korea: Kirchen fordern Friedensverhandlungen

EKD-Referent: Jederzeit können kriegerische Handlungen ausbrechen

Korea: Kirchen fordern Friedensverhandlungen

EKD-Referent: Jederzeit können kriegerische Handlungen ausbrechen

Hannover (idea) – Angesichts der nordkoreanischen Kriegsdrohungen und der zunehmenden Spannungen fordern die koreanischen Kirchen die Einleitung echter Friedensverhandlungen. Das teilte der Ostasienreferent im Kirchenamt der EKD, Paul Oppenheim (Hannover), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage mit. Die EKD halte Kontakt zu den evangelischen Kirchen in Südkorea. Diese seien wie die gesamte Bevölkerung sehr beunruhigt angesichts der jüngsten Drohungen aus dem kommunistisch regierten Norden. Der Nationale Rat der Kirchen Südkoreas habe den nordkoreanischen Atomwaffentest im Februar verurteilt, aber gleichzeitig von weiteren Sanktionen abgeraten und die südkoreanische Regierung zu mehr Gesprächsbereitschaft mit dem Norden aufgefordert. Die Eskalation werde teilweise auf die verschärften Sanktionen zurückgeführt.

Unterschriftenkampagne für Friedensvertrag

Seit dem Koreakrieg befinden sich die beiden Staaten formal im Kriegszustand. 1953 wurde lediglich ein Waffenstillstand geschlossen. Nordkorea hat jetzt dieses Abkommen aufgekündigt. Wie Oppenheim erläutert, könnte dies den Versuch darstellen, Verhandlungen über einen Friedensvertrag zu erzwingen. Durch seine Drohungen mache das nordkoreanische Regime in drastischer Weise deutlich, dass der seit 55 Jahren anhaltende Zustand jederzeit die Gefahr des Ausbruchs kriegerischer Handlungen in sich berge. Anlass könnten sowohl die gemeinsamen Manöver der Südkoreaner und der US-Amerikaner als auch die Raketen- und Atomwaffentests Nordkoreas bieten. Die südkoreanischen Kirchen haben laut Oppenheim eine Unterschriftenkampagne für einen baldigen Friedensvertrag ins Leben gerufen.

Friedensforum für Wiedervereinigung in Berlin

Die EKD bereite mit den koreanischen Kirchen ein Friedensforum für den 7. Oktober in Berlin vor. Dabei solle an den Fall der Berliner Mauer erinnert sowie für Frieden, Versöhnung und Wiedervereinigung in Korea gebetet werden. Unter anderem ist laut Oppenheim ein Fürbittgottesdienst am Brandenburger Tor geplant. Außerdem hofften die koreanischen Christen im Vorfeld der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), die vom 30. Oktober bis 8. November in Busan (Südkorea) stattfindet, auf die Fürbitte und Unterstützung der Christen aus aller Welt für eine Beendigung des Kriegszustands und der Teilung auf der koreanischen Halbinsel.

Nordkorea: Christen als Staatsfeinde

Nordkorea gilt als das Land mit der schärfsten Christenverfolgung. Die Zahl der Christen ist nicht bekannt, wird aber auf 100.000 bis 400.000 geschätzt. Die meisten leben im Untergrund; etwa 70.000 sollen sich in Straf- und Arbeitslagern befinden. Sie gelten als Staatsfeinde, wenn sie Gott verehren und nicht den Diktator Kim Jong Un sowie dessen Vater Kim Jong Il (1941-2011) und Großvater Kim Il Sung (1912-1994). Offiziellen Angaben zufolge sind von den 24 Millionen Einwohnern etwa 12.000 Protestanten und 800 Katholiken.

Südkorea: Christentum breitet sich aus

Im westlich orientierten Südkorea hat sich das Christentum weit ausgebreitet. Von den 48,5 Millionen Einwohnern sind 31 Prozent Christen. Die meisten – 23,8 Prozent der Bevölkerung – sind Evangelikale. 31 Prozent der Südkoreaner gehören keiner Religion an, 23,7 Prozent sind Buddhisten und sieben Prozent Anhänger von Stammesreligionen. Hinzu kommen kleine Gruppen anderer Religionen.