09.06.2013

China: Nächste Missionarsgeneration aus China

Wetzlar (idea) – Aus der kommunistisch regierten Volksrepublik China wird bald eine neue Generation christlicher Missionare in alle Welt gehen. Davon ist der künftige Internationale Direktor des Missionswerks „Operation Mobilisation“ (OM), Lawrence Tong (Shanghai), überzeugt. Der 56-jährige Chinese aus Singapur leitet seit 2006 die wachsende OM-Arbeit in China. Am 1. September tritt er die Nachfolge von Peter Maiden (Carlisle/Nordengland) an, der nach zehnjähriger Amtszeit an der Spitze von OM in den Ruhestand tritt. Das evangelikale Missionswerk ist mit rund 6.000 Mitarbeitern in 110 Ländern vertreten, auch in der Volksrepublik China. Wie Tong bei einem Besuch der Evangelischen Nachrichtenagentur idea in Wetzlar sagte, erwache unter den mindestens 80 Millionen dort lebenden Christen der Missionseifer. Besonders die junge Generation wolle die christliche Botschaft ins Ausland tragen, etwa entlang der alten Seidenstraße bis nach Jerusalem. Tong sieht auch ein riesiges Missionspotenzial im wirtschaftlichen Engagement Chinas in Entwicklungsländern. Allein in Afrika seien 15 Millionen Chinesen mit dem Bau von Straßen, Flughäfen und Betrieben beschäftigt. Wenn davon nur ein Prozent Christen wären, hätte man 150.000 potenzielle Missionare im Ausland.
Was Chinesen am Christentum fasziniert
In China, wo die maoistische Kulturrevolution von 1966 bis 1976 jegliche Religion ausmerzen wollte, blühte ab 1979 das geistliche Leben wieder auf. Schätzungen über die heutige Zahl der Christen variieren stark: Die Regierung spricht von 24 Millionen in staatlich anerkannten Gemeinden – 18 Millionen Protestanten und sechs Millionen Katholiken. Andere Experten, die die nicht registrierten Hauskirchen einbeziehen, geben bis zu 130 Millionen an. Doch das Wachstum schwächt sich nach Tongs Eindruck besonders in den Städten ab. Dort mache sich der Einfluss des Materialismus, des Wohlstands und des Internets eher bemerkbar als auf dem Land, wo die Menschen weiterhin aufgeschlossen für das Evangelium seien. Es fülle die geistliche Leere, die der Kommunismus und der Materialismus hinterlassen. Außerdem seien viele Chinesen fasziniert von der christlichen Botschaft, weil sie die Chance eines Neuanfangs ermögliche.
Globalisierung verändert Weltmission
Nach Tongs Überzeugung verändert die Globalisierung das Erscheinungsbild der Weltmission völlig. Bis vor etwa 30 Jahren sei Mission vor allem eine Sache der Christen aus dem Westen und Norden gewesen. Jetzt ergriffen zunehmend Afrikaner, Asiaten oder Lateinamerikaner die Initiative. Tong warnt jedoch davor, das „Abendland“ gegen den Süden auszuspielen. Die dortigen Christen seien sich sehr bewusst, dass sie das Evangelium dem Einsatz westlicher Missionare verdankten. Aber die Kirchen des Südens seien inzwischen auch gereift. Es gelte, voneinander zu lernen und „Partner für das Evangelium“ zu werden.
Globalisierung: Mission „vor der Haustür“
Globalisierung und Migration führten dazu, dass man Weltmission etwa in Deutschland auch „vor der Haustür“ betreiben könne. Gleichwohl sei auch die kulturübergreifende Mission gefragt. So seien etwa Minderheitenvölker in China sehr misstrauisch gegenüber den Chinesen; aber Ausländer liebten sie. Das Internet bietet laut Tong neuartige Möglichkeiten, Menschen massenhaft mit der christlichen Botschaft zu erreichen. Früher sei ein OM-Mitarbeiter froh gewesen, wenn er an einem Tag 5.000 Traktate weitergegeben habe. Heute könne man in kürzester Zeit Millionen über das Internet erreichen. Trotzdem ersetze dies nicht persönliche Beziehungen. Das gelte besonders für die Anleitung zur Jüngerschaft und christlichem Leben.
Erste Berufung: Gottes Wort verkünden
Laut Tong sollte die Verkündigung des Evangeliums möglichst an erster Stelle stehen. Aber besonders in Regionen, in denen die Verbreitung der christlichen Botschaft behindert wird, könne auch soziales Engagement den Weg für das Evangelium bereiten. OM dürfe freilich bei aller Wertschätzung humanitärer Aktivitäten nicht die „erste Berufung“ vergessen – „Gottes Wort den Menschen zu verkünden“. OM wurde 1957 von dem US-Amerikaner George Verwer gegründet. Es unterhält unter anderem ein Missionsschiff, die „Logos Hope“. Der deutsche OM-Zweig mit Sitz in Mosbach bei Heidelberg ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen. Die Leitung haben Tobias Schultz und Steffen Zöge. Dieser wird jedoch ab 1. September in Tongs Leitungsteam wechseln. Seit Mai ist der frühere Verwaltungsleiter von OM Deutschland, Dieter Weißer, neuer Geschäftsführer.