14.03.2013

Äthiopien: Christenverfolgung hat viele Gesichter

Hilfsaktion Märtyrerkirche lenkt den Blick auf die weltweit bedrängten Christen

Äthiopien: Christenverfolgung hat viele Gesichter

Hilfsaktion Märtyrerkirche lenkt den Blick auf die weltweit bedrängten Christen

Braunfels (idea) – Eine Bedrohung für Christen zeigt sich nicht nur in Übergriffen und physischer Gewalt. Sie kann sich auch über Jahre unterschwellig aufbauen und zu einem dauerhaften und bedrückenden Gefühl der Angst führen. Das erläuterte Gerald Müller vom Verein „Christliche Fachkräfte International“ (Stuttgart) am Beispiel von Äthiopien bei den „Tagen der verfolgten Gemeinde“ in Braunfels (Mittelhessen) vor rund 100 Teilnehmern. Veranstalter war die Hilfsaktion Märtyrerkirche (HMK, Uhldingen am Bodensee). Äthiopien hat rund 87 Millionen Einwohner, etwa 43,5 Prozent sind äthiopisch-orthodoxe Christen, 34 Prozent Muslime, 18,5 Prozent Protestanten. Die rund 14 Millionen evangelikalen Christen gehören zum größten Teil den beiden Kirchen Mekane-Yesus und Kale Heywot (Wort des Lebens) an. Gerald Müller: „In Äthiopien liegen die letzten massiven Übergriffe auf Evangelikale zwar schon zwei Jahre zurück. Aber die Anspannung wächst derzeit stark.“

Provozieren und bedrängen

Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erläuterte Müller, dass durch religiöse Einflüsse und Gelder aus islamisch geprägten Nachbarländern gemäßigte sunnitische Muslime in Äthiopien radikalisiert werden. Protestanten würden verstärkt provoziert und bedrängt. Müller: „Es sind Fälle bekannt, in denen Menschen dafür bezahlt wurden, den Koran gezielt zu schänden, um die Schuld dann anschließend auf die Christen zu schieben.“ Auch von äthiopisch-orthodoxen Gemeinden werde Druck ausgeübt auf Mitglieder, die sich für die evangelikalen Gemeinden und ihre Lehren interessierten: „Dies läuft aber subtiler ab“, sagte Müller zu idea. „Es wird gedroht, dass sie aus der Gemeinschaft der Familie ausgeschlossen werden oder andere Nachteile in Kauf nehmen müssen.“ Hintergründig gehe es jedoch vor allem um den Anspruch der orthodoxen Kirche, Staatsreligion zu sein und einem drohenden Machtverlust entgegenzuwirken.

„Wir müssen Solidarität zeigen“

Manfred Müller, Missionsleiter der HMK, wies in Braunfels auf die weltweite Dimension der Verfolgung hin: Mehr als 200 Millionen Christen in insgesamt 64 Staaten lebten mit eingeschränkter oder gar keiner Religionsfreiheit. Allein in Ägypten hätten seit dem Sturz von Staatspräsident Hosni Mubarak im Februar 2011 rund 100.000 Kopten das Land verlassen. Die durch den Arabischen Frühling geweckten Hoffnungen seien enttäuscht worden. Die Schirmherrin der Tagung Erika Steinbach, Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, forderte, bei dieser Verfolgung nicht tatenlos zuzusehen: „Wir müssen gegenüber den verfolgten Christen Solidarität zeigen und ihnen deutlich signalisieren, dass sie in ihrer Situation nicht allein sind.“ Das größte Ausmaß an Verfolgung erleben Christen nach Angaben der HMK derzeit in Nigeria, dem Iran, Ägypten und Eritrea. Die HMK finanziert sich ausschließlich durch Spenden und ist derzeit mit 80 Projekten in 30 Ländern tätig. Als Vorsitzender amtiert Kirchenrat i.R. Rolf Sauerzapf (Kassel).