15.03.2013
Deutschland: Streit um Bibelverteilaktion
Eltern kritisieren missionarischen Charakter der Gideon-Bibeln an Gießener Schulen
Deutschland: Streit um Bibelverteilaktion
Eltern kritisieren missionarischen Charakter der Gideon-Bibeln an Gießener Schulen
Gießen (idea) – An Schulen im mittelhessischen Gießen gibt es Streit um Bibelverteilaktionen des Internationalen Gideonbundes. Die Mitglieder der nach dem alttestamentlichen Richter Gideon benannten Vereinigung mit Sitz in Wetzlar geben die Heilige Schrift auch in Hotels, Gefängnissen, Arztpraxen, Universitäten und bei persönlichen Begegnungen weiter. Wie die Tageszeitung „Gießener Anzeiger“ berichtet, störten sich Eltern an einem Aufruf auf der letzten Seite der verteilten Neuen Testamente, sich zum christlichen Glauben zu bekennen. Dies habe einen missionarischen Charakter und sei deshalb nicht zulässig, heißt es in dem Bericht, in dem die Kritiker nicht genannt werden.
Gideonbibeln für den Unterricht nicht zugelassen
An den Schulen sind unterschiedliche Regelungen im Umgang mit Anfragen des Gideonbundes üblich. Am Liebig-Gymnasium habe die Fachkonferenz Religion eine Anfrage abgelehnt, Bibel verteilen zu dürfen, erläuterte Direktor Carsten Scherließ. „Unser Religionsunterricht ist nicht missionarisch angelegt.“ An der Integrierten Gesamtschule Gießen-Ost können nach den Worten von Schulleiter Heribert Ohlig die Religionslehrer selbst entscheiden, ob Vertreter des Gideonbundes in den Unterricht eingeladen werden. An der Ricarda-Huch-Schule, einer Gesamtschule, sei es gängige Praxis, die Bibeln an Fünftklässler zu verteilen, sagte Schulleiter Werner Nissel. Doch als Arbeitsmaterial kämen sie nicht zum Einsatz. Auch der Leiter des Staatlichen Schulamtes, Heinz Kipp (Gießen), erklärte, dass die „Gideon-Bibeln kein zugelassenes Unterrichtswerk“ seien.
Christliche Eltern sollten sich bedanken
Wie dazu der Geschäftsführer des Internationalen Gideonbundes in Deutschland, Johannes Wendel (Wetzlar), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, verteile man ausschließlich Neue Testamente in der revidierten Übersetzung des Reformators Martin Luther (1483 -1546). Diese Übersetzung sei sehr wohl grundsätzlich für den Religionsunterricht zugelassen. Die Anschuldigungen der Eltern wies er als „unbegründet“ zurück. Wendel verwies auf das Grundgesetz, in dem „die Verantwortung vor Gott“ herausgestellt werde. Dafür brauche man die Bibel, weil darin Gott vorgestellt werde. Das mache er auch deutlich, wenn Schulen ihn einladen. Wendel appellierte an christliche Eltern, sich bei Schulleitungen und Lehrern zu bedanken, wenn es an der Schule ihrer Kinder eine Bibelverteilaktion gegeben habe. Er ist davon überzeugt, dass mehr Eltern hinter den christlichen Werten der Bibel stehen als die „vermutlich wenigen Kritiker, die sich laut zu Wort melden“. Der Gideonbund hat in Deutschland rund 4.200 Mitglieder in 194 Gruppen. Sie haben 2012 etwa 610.000 Bibeln weitergegeben.