13.05.2013
Bangladesch: Religiöse Spannungen nehmen zu
Nicht nur der Einsturz einer Textilfabrik beschäftigt das südasiatische Land
Bangladesch: Religiöse Spannungen nehmen zu
Nicht nur der Einsturz einer Textilfabrik beschäftigt das südasiatische Land
Dhaka (idea) – Auf die angespannte religiöse und politische Situation in Bangladesch macht die Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) aufmerksam. Das islamisch geprägte Land in Südasien ist aktuell vor allem durch den Einsturz einer Textilfabrik weltweit in den Schlagzeilen. Mehr als 1.100 Menschen wurden getötet, als das achtstöckige Gebäude, in dem über 3.000 Personen arbeiteten, am 24. April zusammenbrach. Das Unglück wirft ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen in dem Billiglohnland der Bekleidungsindustrie. Als eine Reaktion will die Regierung den Mindestlohn anheben; er beträgt derzeit umgerechnet 29 Euro pro Monat.
Anti-Blasphemie-Gesetz gefordert
Die WEA-Kommission verweist zudem auf die politischen Spannungen, die das Land seit der Abspaltung von Pakistan im Jahr 1971 kennzeichnen. In jüngster Zeit wüchsen die Konflikte zwischen der Bevölkerungsmehrheit, die eine grundsätzliche Trennung von Religion und Staat befürwortet, und radikal-islamischen Bewegungen. Sie treten unter anderem für eine stärkere Rolle des islamischen Religionsgesetzes, der Scharia, ein. Auch fordern sie die Einführung von Anti-Blasphemie-Gesetzen, die die Beleidigung des Islam mit der Todesstrafe bedrohen sollen. In Pakistan führt ein solches Gesetz immer wieder zu falschen Anschuldigungen gegen Christen. Premierministerin Hasina Wajed hat solche Forderungen nach Angaben der WEA-Kommission wiederholt zurückgewiesen. Unterdessen träten sowohl progressive Säkularisten wie auch militante Islamisten immer wieder mit teilweise gewalttätigen Protesten an die Öffentlichkeit. Die Spannungen wüchsen im Vorfeld der nächsten Parlamentswahl, die Anfang 2014 stattfinden soll.
Für Christen steht viel auf dem Spiel
Für die religiösen Minderheiten stehe viel auf dem Spiel, so die WEA-Kommission. Bisher seien vor allem Hindus Übergriffen ausgesetzt, aber die Stimmung könnte umschlagen und sich auch gegen die Christen richten. Trotz der lauten Stimmen radikaler Muslime scheine die allgemeine Stimmung im Volk weiterhin eher religiöser Mäßigung zugewandt sein. Von den rund 160 Millionen Einwohnern Bangladeschs sind nach Angaben des Religionsstatistikers Jason Mandryk etwa 89 Prozent Muslime, neun Prozent Hindus und jeweils 0,6 Prozent Christen und Buddhisten. Der Rest gehört kleineren religiösen Gruppen wie Sikhs und Baha’i an.