22.04.2014
Syrien: Haben Christen ohne Assad keine Zukunft?
Bei der religiösen Minderheit stand Assad für Religionsfreiheit und Sicherheit
Syrien: Haben Christen ohne Assad keine Zukunft?
Bei der religiösen Minderheit stand Assad für Religionsfreiheit und Sicherheit
Damaskus/Bad Homburg (idea) – Viele Christen in Syrien setzen ihre Hoffnungen auf Präsident Bashar al-Assad. Das bestätigte der Direktor des Christlichen Hilfsbundes im Orient (Bad Homburg), Andreas Baumann, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Zwar sei in der Vergangenheit unter Assad längst nicht alles gut in dem diktatorisch regierten Land gewesen, doch er habe der christlichen Minderheit Religionsfreiheit garantiert, sagte Baumann unter Berufung auf Äußerungen von Mitarbeitern christlicher Partnerorganisationen in Syrien. „Einheimische Gläubige sagen uns: Wir hatten Freiheit und Sicherheit. Heute steht alles auf dem Spiel.“ Viele Christen hätten das Land verlassen, und die übrigen fürchteten um ihr Leben. Schätzungen gehen davon aus, dass eine halbe Million Christen ins Ausland geflohen sind. Etliche der christlichen Armenier hätten in Armenien Schutz gesucht, so Baumann. Das Land habe sich bereit erklärt, alle Landsleute aus Syrien aufzunehmen.
Baumann: „Einige Christen lehnen es ab, sich zu bewaffnen“
Baumann beurteilt Assads Besuch am Ostersonntag in der christlichen Stadt Maalula skeptisch. Regierungstruppen hatten die Stadt 60 Kilometer nordöstlich von Damaskus zurückerobert. Dazu Baumann: „Diese Bilder vom Besuch des Präsidenten bei den Christen in Maalula sind für das Regime sehr wertvoll und werden von der Staatspropaganada ausgeschlachtet. Assad zeigt sich als Beschützer religiöser Minderheiten.“ Deren Schutz sei zwar eine gute Sache. Doch vor allem gehe es darum, die Christen zu benutzen, um die eigene Macht zu festigen. Am 3. Juni finden in Syrien Wahlen statt. Baumann zufolge gibt es auch Christen, die sich eine Zukunft mit Assad nicht vorstellen könnten. Dazu zählten diejenigen, die sich der Forderung des Regimes widersetzt hatten, zu den Waffen zu greifen, um ihre Freiheit gegenüber den muslimischen Rebellen zu verteidigen. Der Missionsleiter: „Einige Christen lehnen es bewusst ab, sich selbst zu bewaffnen und so Teil des Bürgerkriegs zu werden.“ Nach Baumanns Worten brauchen die im Land verbliebenen Christen dringend Unterstützung aus dem Ausland – vor allem, um die vielen Flüchtlinge versorgen zu können, die in Syrien geblieben sind: „Noch können wir garantieren, dass unsere Hilfe wirklich ankommt.“ Allein im vergangenen Jahr habe man Unterstützung im Wert von mehr als 80.000 Euro geleistet.
Assad verspricht, die Kirchen zu verteidigen
Maalula war von Rebellen, darunter Kämpfern der der Terrororganisation Al Kaida nahestehenden Nusra-Front, 2013 mehrmals besetzt. Eine Woche vor Ostern wurde der Ort von Regierungstruppen eingenommen. Bei seinem Besuch versprach Assad, die Christen zu verteidigen und ihre Kirchen zu beschützen. Sie gehörten zum kulturellen Erbe des Landes, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana den Präsidenten. Assad ließ sich unter anderem die Schäden am griechisch-orthodoxen Thekla-Kloster zeigen. „Maalula wird standhaft bleiben im Angesicht der Barbarei all jener, die gegen unsere Heimat vorgehen“, sagte er dem staatlichen Fernsehen. Assad wünschte den Christen ein „glückliches Osterfest“.
Syrischer Bischof im Libanon: „Mit Assad leben wir besser“
Der griechisch-orthodoxe Patriarch in Syrien, Johannes X. Yazigi (Damaskus), appellierte in seiner Osterbotschaft an die Bürgerkriegsparteien, Einschüchterung, Vertreibung und Extremismus zu beenden. Die Christen in Syrien beugten sich nicht vor Extremisten, die „unsere Leute und heiligen Orte“ angreifen. Der Bischof der syrisch-orthodoxen Kirche im Libanon, George Saliba (Beirut), ist davon überzeugt, dass Christen in Syrien keine Zukunft mehr haben, wenn Assad die Macht verlieren sollte: „Mit Assad leben wir besser.“ Saliba hatte die Christen in Syrien wiederholt aufgefordert, im Land zu bleiben: „Dort sind unsere Wurzeln.“ Doch gerade Christen werden in den letzten Monaten verstärkt von radikal-islamischen Rebellen angegriffen, die sie als Ungläubige betrachten und der Unterstützung der Assad-Regierung verdächtigen. In dem seit drei Jahren andauernden Konflikt sind mehr 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Von den 21 Millionen Einwohnern Syriens waren vor dem Bürgerkrieg 90 Prozent Muslime und 6,3 Prozent Christen, davon jeweils drei Prozent Katholiken und Orthodoxe sowie kleine Gruppen von Protestanten. Die übrige Bevölkerung bestand aus Nichtreligiösen oder Anhängern anderer Religionen.