16.01.2014

Afghanistan: "Vieles wird gut"

Direktor eines christlichen Hilfswerks betont Fortschritte im zivilen Aufbau

Afghanistan: "Vieles wird gut"

Direktor eines christlichen Hilfswerks betont Fortschritte im zivilen Aufbau

Braunschweig (idea) – Vorsichtig optimistisch über die Zukunft Afghanistans nach dem Abzug der internationalen Schutztruppe in diesem Jahr hat sich der deutsche Direktor des internationalen christlichen Hilfswerks Shelter Now (Zuflucht Jetzt), Udo Stolte (Braunschweig), geäußert. Als einen Grund nennt er die Erfolge beim zivilen Aufbau. „Vieles geht vorwärts, vieles ist oder wird gut in Afghanistan“, sagte er der Braunschweiger Zeitung. Shelter Now unterhält 20 Hilfsprojekte im Land am Hindukusch, vor allem in Landwirtschaft und Bildung. Als Beispiele für „immense Veränderungen“ nennt Stolte unter anderem den Bau Hunderter Schulen, neue Universitäten „voller Studenten und kompetenter Professoren“ und die Gründung 30 einheimischer Fernsehsender, denn unter dem radikal-islamischen Taliban-Regime war Fernsehen verboten. Auch gebe es ein demokratisches Parlament und eine neue Verfassung anstelle von Willkürherrschaft. In vielen kleinen landwirtschaftlichen Projekten bekämen Dörfer Brunnen für die Trinkwasserversorgung; Bauern lernten, Safran statt Schlafmohn anzubauen, aus dem Opium gewonnen wird.

Schuldeingeständnis eines Ex-Generals weckt Hoffnung

Die Zukunft des Landes hänge stark vom im April zu wählenden neuen Präsidenten ab, so Stolte. „Wenn er es schafft, die ethnischen Gruppen im Land zu vereinen, dann hat Afghanistan eine gute Chance, den Extremisten die Stirn zu bieten und sie zurückzudrängen.“ Armee und Polizei wären stark genug, einen Taliban-Staat nach altem Muster zu verhindern. Der Westen solle die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte weiter unterstützen, so der Shelter-Now-Direktor. Als „bemerkenswert“ bezeichnet er die öffentliche Bitte des ehemaligen Usbeken-Generals Raschid Dostum um Vergebung für das im Bürgerkrieg von ihm verursachte Leid. Dostum, der für die Vizepräsidentschaft kandidiert, hatte erklärt: „Wir wollen Initiatoren einer neuen Ära und Tradition sein, auf der andere ebenso mutig ihre Vergehen anerkennen und derartige Vorfälle in Zukunft vermeiden.“ Ein solches Schuldeingeständnis sei in Afghanistan nicht üblich, so Stolte. „Dass Dostum es dennoch getan hat, könnte ein Signal sein.“

Shelter Now: Seit 30 Jahren unter Afghanen tätig

Shelter Now begann seine Arbeit unter Afghanen 1983 in Flüchtlingslagern in Pakistan und war dort bis 2005 unter Flüchtlingen tätig. Ab 2002 wurden in Afghanistan für zurückgekehrte Flüchtlinge unter anderem „Dörfer der Hoffnung“ errichtet, ebenso mehrere Schulen, auch für Mädchen. In Kabul wurde eine zerstörte Augenklinik zusammen mit Partnern aufgebaut. Im Jahr 2001 nahmen die Taliban Landesleiter Georg Taubmann mit 16 einheimischen und sieben ausländischen Mitarbeitern gefangen. Nach 105 Tagen wurden die Geiseln von Aufständischen befreit. Taubmann kehrte sechs Monate später nach Afghanistan zurück.