01.07.2014
Nordkorea: US-Touristen vor Gericht
Ein Christ soll eine Bibel in seinem Hotelzimmer gelassen haben
Pjöngjang (idea) – Nordkorea stellt zwei US-amerikanische Touristen vor Gericht. Sie sollen „feindselige Handlungen“ gegen die kommunistisch regierte Volksrepublik begangen haben. Dem 56 Jahre alten Jeffrey Edward Fowle wird religiöse Werbung vorgeworfen; der Christ hatte eine Bibel in seinem Hotel in der Hauptstadt Pjöngjang zurückgelassen. Er war mit einer Reisegruppe unterwegs und wurde am 6. Juni verhaftet. Der 24-jährige Matthew Miller wurde festgenommen, weil er sein Touristenvisum zerrissen haben soll. Ein weiterer US-Amerikaner befindet sich schon seit 2012 in Haft: Dem Missionar Kenneth Bae (46) wird vorgeworfen, einen Umsturz geplant zu haben; dafür wurde er zu 15 Jahren Straflager verurteilt. US-Präsident Barack Obama hat seine sofortige Freilassung gefordert. Ende Mai wurde der südkoreanische Baptist Kim Jung Wook in Nordkorea zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Er war am 8. Oktober 2013 auf dem Weg nach Pjöngjang mit Bibeln und anderem religiösem Material im Gepäck festgenommen worden. Dem Gericht zufolge hat er Hausgemeinden im Norden aufgebaut, um Spione für Südkorea anzuwerben. Wegen Kontakten zu Wook hatte das kommunistische Regime im März 33 Nordkoreaner hinrichten lassen. Ebenfalls im März wurde der in Hongkong lebende australische Missionar John Short in seine Heimat abgeschoben. Der 75-Jährige hatte christliche Traktate in einem buddhistischen Tempel Nordkoreas hinterlassen.
30.000 Christen in Straflagern
Nordkorea gilt als das religionsfeindlichste Land der Welt. Die Verbreitung der christlichen Botschaft ist außerhalb von vier staatlich kontrollierten Kirchen streng verboten. Der Diktator Kim Jong Un lässt sich als gottähnlichen Führer verehren wie bereits sein Vater Kim Jong Il (1941-2011) und sein Großvater Kim Il Sung (1912-1994). Das Regime ist laut einem UN-Bericht für Gräueltaten verantwortlich, die von Mord, Folter, sexueller Gewalt bis zur Sklaverei reichen. Christen gelten als Staatsfeinde, weil sie Gott anbeten und nicht die Herrscher-Dynastie. Menschenrechtlern zufolge befinden sich mindestens 30.000 Christen in Straflagern. Gleichwohl wachsen die Untergrundgemeinden, in denen sich schätzungsweise 100.000 Christen versammeln. Offiziellen Angaben zufolge sind von den 24 Millionen Einwohnern etwa 12.000 Protestanten und 800 Katholiken.