24.03.2014

Deutschland: Christustag Stuttgart

Der Gründer der christlichen Universität in Nordkorea wird beim Stuttgarter „Christustag“ sprechen

Deutschland: Christustag Stuttgart

Der Gründer der christlichen Universität in Nordkorea wird beim Stuttgarter „Christustag“ sprechen

Stuttgart (idea) – Im streng kommunistisch regierten Nordkorea besteht seit fünf Jahren eine christlich geprägte Hochschule. An der privaten Einrichtung in der Hauptstadt Pjöngjang studieren rund 500 junge Männer Wirtschaftswissenschaften, Landwirtschaft und Technik. Sie ist eine Besonderheit in dem Land mit den brutalsten Verstößen gegen die Religionsfreiheit. Menschenrechtlern zufolge befinden sich mindestens 30.000 Christen in Straflagern. Präsident der „Pjöngjang Universität für Wissenschaft und Technologie“ ist der südkoreanische Geschäftsmann und Theologe James Kim Chin Kyung. Er gehört zu den Rednern beim „Christustag“ am 19. Juni in Stuttgart. Die Hochschule wird von dem evangelischen Entwicklungsdienst Christliche Fachkräfte International (CFI) unterstützt. Nach Angaben des CFI-Direktors, Ulrich Weinhold (Stuttgart), stehen hinter der Universität renommierte Professoren christlicher US-Universitäten sowie der englische Experte für Fragen der Christenverfolgung, Lord David Alton (Liverpool). Die Dozenten seien Christen und Wirtschaftsfachleute aus Südkorea, den USA und anderen westlichen Ländern. Im Internet präsentiere sich die Universität als eine von einem „ungeniert christlichen Geist“ getragene Vermittlerin technischer Fähigkeiten. Wörtlich heißt es: „Vor einem Jahrhundert war Pjöngjang das Zentrum der koreanischen Christenheit und im Westen gar als Jerusalem des Ostens bekannt. Gott hat uns in seiner Gnade jetzt eine zweite Chance gegeben.“

Erfahrungen aus der Volksrepublik China

Dass das kommunistische Regime diese Gründung genehmigt hat, begründet Weinhold damit, dass das Land international isoliert dastehe, Milliardenschulden habe und dringend auf Devisen angewiesen sei. Deshalb sei das Angebot Kims, mit rund 22 Millionen Euro eine moderne Hochschule aufzubauen, attraktiv gewesen. Dabei habe man die Erfahrungen mit einer vor rund 20 Jahren ebenfalls von Kim ins Leben gerufenen ähnlichen Hochschule in Yanji im Nordosten der Volksrepublik China berücksichtigen können. Auf dem dortigen Campus stehe ein Gedenkstein mit dem eingemeißelten Psalm 23 in chinesischer, koreanischer und englischer Sprache. Ferner gebe es eine Kapelle und regelmäßige Gottesdienste. Dass die ausländischen Professoren von christlichen Gemeinden entsandt werden, sei kein Geheimnis. Deshalb ist Weinhold überzeugt: „Die Nordkoreaner wissen, worauf sie sich einlassen.“ Es gebe aber keine Anzeichen, dass ihre radikal antichristliche Religionspolitik aufgeweicht werde. Nach wie vor sei Nordkorea ein Land mit einem Führerkult, mit einem quasireligiösen kommunistischen System und einem Staatsapparat, der alle christlichen Aktivitäten massiv verfolge. Die Entwicklung in China zeige allerdings, dass heute ein freieres christliches Bekenntnis möglich sei, als man es vor Jahren erwartet hätte.

Kein Deutscher will nach Pjöngjang

Laut Weinhold werden die Besucher des „Christustags“ Kim als einen 79-jährigen Mann kennenlernen, der seinen Glauben konsequent lebt. Er sei als Jugendlicher während des Koreakrieges (1950-1953) in einem Schützengraben Christ geworden. Später habe er in der Schweizer Kommunität L’Abri des US-Amerikaners Francis Schaeffer (1912-1984) die Bibel studiert. 1998 sei er bei einer humanitären Aktion in Nordkorea als Spion verhaftet, zum Tode verurteilt und nach 40 Tagen wieder freigelassen worden. Sein Leben sei von einer tiefen Liebe zu seinen Landsleuten im geteilten Korea geprägt. Er wolle den Menschen selbstlos dienen. „Wir Deutschen können uns davon eine Scheibe abschneiden“, sagt Weinhold. Obwohl das Entwicklungshilfe- und das Außenministerium in Berlin Hunderttausende Euro bereitstellten, sei es „fast unmöglich, hierzulande Fachleute für Nordkorea zu gewinnen“. CFI habe Anfragen für mehrere Dutzend Lehrkräfte, Sprachbegabte und Wirtschaftsexperten, aber niemanden, der sich nach Pjöngjang senden lassen wolle. Zum Christustag werden rund 20.000 Besucher erwartet. Hauptveranstalter sind die württembergische Christusbewegung „Lebendige Gemeinde“, der CVJM-Gesamtverband, der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband und die Deutsche Evangelische Allianz.