25.03.2014

Krim: Zurück zur Sowjetunion?

Zur Krise um die Halbinsel Krim von Thomas Vieweg, Pfarrer der (deutsch-russischen) Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Kaliningrad/Königsberg, der Hauptstadt des früheren Ostpreußens. Sie gehört seit Kriegsende (1945) zu Russland.)

Krim: Zurück zur Sowjetunion?

Zur Krise um die Halbinsel Krim von Thomas Vieweg, Pfarrer der (deutsch-russischen) Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Kaliningrad/Königsberg, der Hauptstadt des früheren Ostpreußens. Sie gehört seit Kriegsende (1945) zu Russland.)

Kaum zu glauben: Der Stimmungsumschwung geschah plötzlich und heftig. Die politischen Spannungen zwischen den Brudervölkern Russlands und der Ukraine haben natürlich Konsequenzen für das Zusammenleben der Christen in Russland. Plötzlich tat sich ein Riss zwischen den Menschen auf: Jeder bewertete die aktuelle Situation in Kiew und auf der Krim anders. Die einen argumentieren mit der einseitigen „offiziellen“ Meinung der russischen Massenmedien. Die anderen verstehen die englische oder deutsche Sprache, informieren sich im Internet und bekommen so auch völlig andere Ansichten mit. Es ist besorgniserregend: Menschen haben Angst vor einem Krieg. Sehr schnell wird jetzt diese Vokabel gebraucht.

Der Richtungswechsel kam über Nacht

Es ist wie ein Richtungswechsel: Begleitete nach der Perestroika fast 25 Jahre der Wind der Öffnung und Demokratisierung das Leben in Russland, bestimmt jetzt „wie über Nacht“ eine rückwärtsgewandte „Sowjetisierung“ das Denken und Reden. Ein Beispiel: In staatlichen Organisationen und Betrieben werden die Mitarbeiter aufgefordert, „freiwillig“ an Demonstrationen und Versammlungen pro Anschluss der Krim teilzunehmen. Begleitet wird diese Entwicklung von einer ständigen Inflation, die gerade den Wenig-Verdienern im Lande sehr weh tut.

Christen, seid Friedensstifter!

Es ist brandgefährlich: Sowohl in Russland als auch in Deutschland argumentiert man in der Rhetorik des Kalten Krieges, plappert oft nur nach, was einem die sogenannten Fachleute in Funk und Fernsehen vorsagen. Christen sollten es genau wissen: Der Versucher, der „Durcheinanderbringer“, also der Teufel ist wieder mal unverkennbar unterwegs. Christen können aber nur eines: sich für den Frieden einsetzen.

Betet für den Frieden!

Der (kommissarische) Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands, Dietrich Brauer (Moskau), sagt es unmissverständlich: „Als Christen sind wir dazu berufen, nicht in Schablonen und Klischees zu denken, sondern Friedensstifter für die Menschen der ganzen Welt zu sein, Verkünder der Frohen Botschaft Christi, und mit Liebe zu handeln. Christus sagt: ,Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Johannes 14,27)‘“. Das Entscheidende ist jetzt für Christen in Russland, in der Ukraine und auch in Deutschland, dass sie beten für den Frieden.