17.05.2014

Usbekistan: Schikanen und hohe Strafen

„Zur Verhütung verbotener religiöser Literatur“

Usbekistan: Schikanen und hohe Strafen

„Zur Verhütung verbotener religiöser Literatur“

Das Strafbezirksgericht Mirzo-Ulugbeg in der usbekischen Hauptstadt Taschkent verhängte am 25. März gegen Diakon Grigory Kasparov von der offiziell registrierten Pfingstkirche des Vollen Evangeliums eine Geldstrafe in Höhe von 50 monatlichen Mindestgehältern wegen „illegalen Lagerns“ von Kasparovs christlichen Büchern in seiner Privatwohnung. Am 11. April wurde seine Frau Jelena Kasparova wegen desselben „Vergehens“ bestraft, trotzdem sie sich geweigert hatte, ein Geständnis zu unterschreiben, zu dessen Unterzeichnung sie von der Polizei gedrängt wurde. Die Bücher wurden noch vor den Schuldsprüchen gegen das Ehepaar vernichtet. In dem Urteil gegen Grigory Kasparov heißt es, die Geldstrafe folge auf eine „Untersuchung und Durchsuchung zum Zweck der Verhütung verbotener religiöser Literatur.“ Bereits im Dezember 2013 wurde religiöse Literatur der Gemeinde des Vollen Evangeliums bei deren Pastor Mikhail Neizvestny konfisziert. Auch gegen ihn wurde damals eine Geldstrafe verhängt. Die Bücher wurden bis heute nicht zurückgegeben, obwohl sie laut Gerichtsbeschluss hätten an die Kirche ausgehändigt werden sollen. Am 7. April dieses Jahres verurteilte das Strafbezirksgericht Mirzo-Ulugbeg Vera Raupova von der Baptistengemeinde „Betanien“ ebenfalls zu einer Geldstrafe wegen des „illegalen Lagerns religiöser Literatur“ Ihr Vergehen: sie hatte einige christliche Bücher in ihrer Wohnung.

Entgegen seiner internationalen Menschenrechtsverpflichtungen praktiziert Usbekistan eine strenge Zensur religiöser Literatur. Der Zugang zu Literatur wird erschwert. Dies gilt auch für das Lesen der Bibel oder des Korans in Privatwohnungen. So erklärte der Vertreter des Komitees für Religiöse Angelegenheiten Begzod Kadyrov bereits 2013 gegenüber dem Nachrichtendienst Forum 18: „Nach dem Religionsgesetz dürfen religiöse Bücher nur innerhalb der registrierten Religionsgemeinschaften gelesen werden.“ Immer  wieder wird bei Razzien konfiszierte religiöse Literatur vernichtet. Die Zensur gilt auch für Handys. So wurde im April der Muslim Zoirjon Mirzayev zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er islamische Predigten auf seinem Mobiltelefon gespeichert hatte.

Quelle: Forum 18, Oslo

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA