21.05.2014

Mongolei: Anzahl der katholischen Christen wächst

Stetes Wachstum auf schwierigem Terrain

Mongolei: Anzahl der katholischen Christen wächst

Stetes Wachstum auf schwierigem Terrain

Allen Schwierigkeiten zum Trotz wächst die katholische Kirche in der Mongolei. Darauf hat der Apostolische Administrator von Ulaanbaatar, Bischof Wenceslao Selga Padilla, bei einem Besuch des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ hingewiesen. Bischof Wenceslao, der aus den Philippinen stammt, leitet die Apostolische Präfektur seit ihrer Errichtung 2002. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der Mongolei hatte das zentralasiatische Land 1992 mit dem Vatikan diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Der politischen Wende folgte ein Neuanfang. Das Interesse am katholischen Glauben wuchs. Die postkommunistische, demokratisch gewählte Regierung lud die katholische Kirche 1992 ein, ins Land zu kommen. Es kamen Wenceslao Selga Padilla und zwei weitere Priester der „Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens (CICM)“. „Wir haben bei Null angefangen. Die ersten heiligen Messen haben wir in einem Hotel gelesen, danach Appartements gemietet und über internationale Organisationen und die Botschaften erste Kontakte zu Gläubigen geknüpft“, so Bischof Wenceslao im Rückblick.

Die Lebensbedingungen in der Mongolei sind außergewöhnlich: Das Land ist etwa so groß wie Alaska, hat aber nur 2.8 Millionen Einwohner; im Winter sinken die Temperaturen auf bis zu minus 30 Grad Celsius, im Sommer steigen sie auf bis zu plus 30. Rund 55 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Buddhismus, die Zahl der Christen liegt bei etwa 2 Prozent; die Mehrheit von ihnen gehört protestantischen Kirche an. Die Zahl der Katholiken ist verschwindend gering, wächst aber langsam und stetig. Nach den Worten von Bischof Wenceslao gibt es gegenwärtig rund 960 Gläubige. In der Apostolischen Präfektur von Ulaanbaatar tätig sind zurzeit 49 Ordensfrauen, 20 Priester und 2 Ordensbrüder.

Heute verfügt die katholische Kirche über vier Pfarrgemeinden sowie Schulen und soziale Einrichtungen, die vom Staat ausdrücklich gewünscht sind. Als der Vatikan 2002 die Apostolische Präfektur Ulaanbaatar errichtete, lebten in der Mongolei nur 114 Katholiken. Ende August 2003 wurde in der Hauptstadt die Sankt Peter und Paul-Kathedrale eingeweiht. Das Gebäude erinnert an eine Jurte, das traditionelle Zelt der Nomadenvölker in Zentralasien.

Vorherrschendes Bekenntnis in der Mongolei ist der Buddhismus. Wie alle religiösen Überzeugungen wurde er in sowjetischer Zeit massiv bekämpft. Mit dem Sturz des Kommunismus wendete sich das Blatt. Heute verstehen viele den Buddhismus als Teil der nationalen Identität. Andere Religionen, darunter das Christentum, werden hingegen als fremd empfunden. Christliche Glaubensverkündigung ist deshalb auch nur innerhalb kirchlicher Räume erlaubt. Jugendliche unter 16 Jahren dürfen nur mit schriftlichem Einverständnis der Eltern an Katechesen teilnehmen, Priester in der Öffentlichkeit nicht als solche erkennbar sein.

Das Interesse an der katholischen Kirche ist dennoch ungebrochen, auch wenn Bischof Wenceslao unter den Katholiken ein gewisse Fluktuation beobachtet: „Die Mongolei ist im Umbruch. Die Menschen werden sesshaft und leben immer weniger als Nomaden. Dann gibt es einen wachsenden Materialismus; da wendet sich mancher vom Glauben auch wieder ab.“ Für den Bischof ist das aber kein Grund, die pastoralen Initiativen, die auch von „Kirche in Not“ unterstützt werden, zu vernachlässigen – im Gegenteil: „Die Menschen sind seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft grundsätzlich offen für den Glauben.“ Und er ergänzt: „Sicher hängt vieles vom Einsatz der Missionare ab, aber die Evangelisierung hat viele Facetten. Was immer wir tun, Sozialarbeit, Erziehung, humanitäre Hilfe, alles wirkt in die Gesellschaft hinein.“ 

Quelle: KIRCHE IN NOT aus  Wien, Österreich