28.05.2014
Pakistan: Asia Bibi immer noch inhaftiert
Fall Asia Bibi aus dem Gerichtskalender gestrichen: Berufungsverfahren rückt in weite Ferne
Pakistan: Asia Bibi immer noch inhaftiert
Fall Asia Bibi aus dem Gerichtskalender gestrichen: Berufungsverfahren rückt in weite Ferne
Lahore (Fides) – Die erste Verhandlung im Berufungsprozess für die wegen Blasphemie verurteilte Asia Bibi findet nicht wie vorgesehen heute statt, sondern wurde auf unabsehbare Zeit vom Gerichtskalender gestrichen. Dies teilen die Anwälte der Angeklagten mit. Naeem Shakir, einer der Anwälte, die Asia Bibi vertreten ist enttäuscht: “Der Fall war für heute auf dem Verhandlungskalender eingetragen, von wo er plötzlich verschwunden ist. Wir wissen nicht warum. Ich kann dazu nur sagen: was hier passiert ist nicht normal”. Die Anwälte warten nun auf eine offizielle Begründung der Verwaltung des Hohen Gerichts in Lahore, die diese Anomalie aufklärt, aufgrund derer einem unschuldigen Opfer weiteres Unrecht widerfährt.
“Wir wissen nicht, ob und wann dieser Fall verhandelt wird”, so Shakir. Seit Februar dieses Jahres wurde das Berufungsverfahren aus den unterschiedlichsten Gründen bereits viermal verschoben. Ein Prozessbeginn hat nie stattgefunden. Nach Ansicht von Beobachtern wollen die Richter des Obersten Gerichts die Verantwortung einer Prüfung des Falls aus Angst vor möglichen Reaktionen radikalislamischer Gruppen nicht übernehmen. In der Vergangenheit kam es vor, dass Richter, die wegen angeblicher Blasphemie angeklagte Christen freisprachen, ermordet wurden.
Verbittert und enttäuscht sind auch die Angehörigen von Asia Bibi. Die Angeklagte selbst, die sich in der Frauenvollzugsanstalt in Multan aufhält, werde in den kommenden Tagen über die jüngsten Entwicklungen informiert werden, so die Anwälte.
Asia Noreen Bibi wurde am 19. Juni 2009 auf der Grundlage des Artikels 295c des pakistanischen Strafrechts (Beleidigung des Propheten Mohammed) der Blasphemie beschuldigt und von dem muslimischen Mullah Qari Muhammad Sallam bei der Polizei in Nankana Shahib angezeigt. Nach ersten Ermittlungen legte die Polizei am 12. Juli einen Bericht beim zuständigen Gericht in Nankana Sahib, wo der Richter Naveed Iqbal das Urteil aussprach: Asia wurde am 8. November 2010 in erster Instanz zum Tode verurteilt.
Das Berufungsverfahren wurde unter der Nr. 2509 beim Berufungsgericht in Lahore bereits am 11. November 2010 bewilligt. Doch erst vier Jahre später wurde beim Hohen Gericht die Verhandlung anberaumt. Der Ausgang ist Angesichts des wiederholten Aufschubs der ersten Verhandlung bis heute unklar. (PA) 27.5.2014
Anwalt: “Die Richter wollen nicht über den Fall Asia Bibi entscheiden”
Lahore (Fides) – Die Richter “wollen nicht über den Fall Asia Bibi entscheiden und vermeiden es über einen so schwierigen Fall zu urteilen, auch weil sie angst vor Erpressung und Rache durch radikalislamische Gruppen haben: dies ist der Grund für die zahlreichen Aufschübe”, so der christliche Anwalt Sardar Mushtaq Gill von der Nichtregierungsorganisation “Legal Evangelical Association Development” (LEAD), der den Fall Asia Bibi und anderer Blasphemieopfer mitverfolgt.
“Wir sind besorgt, denn angesichts dieser Untätigkeit, müssen viele unschuldige Opfer nur wegen ihres Glaubens im Gefängnis leiden: unter ihnen befinden sich auch Asia Bibi und Sawan Masih. Unterdessen bleiben unzählige Extremisten, die Häuser und Kirchen in Brand stecken, unbestraft“.
“Vor kurzem”, so Gill zur aktuellen Lage, “wurde Khalil Ahmed, der wegen Blasphemie angezeigt worden war, in der Polizeistation von einem Jugendlichen ermordet. Ein weiteres Opfer ist auch der Anwalt und Menschenrechtskämpfer Rashid Rehman, der ermordet wurden, weil er die Verteidigung in einem angeblichen Fall der Blasphemie übernehmen wollte. Die Mörder befinden sich noch auf freiem Fuß. Ein Richter musste das Land verlassen, nachdem er den geständigen Mörder des Gouverneurs Salmaan Taseer verurteilt hatte”.
“Der Blasphemieparagraph ist zu einem Instrument der Verfolgung auch für diejenigen geworden, die Angeklagte verteidigen”, so Gill weiter, “Pakistan ist heute sehr gefährlich für Minderheiten” betont er. Trotzdem werde LEAD seine massive Kampagne für die Abschaffung des Blasphemieparagraphen fortführen.
“Wir erleben einen der schlimmsten Momente in der Geschichte des Landes: das Ausmaß der Ausgrenzung und Gewalt gegen religiöse Minderheiten war noch nie so groß. Wie können wir von Religionsfreiheit, von Gedanken- und Meinungsfreiheit sprechen, wenn dass Gesetz diese nicht für alle garantiert und wenn es keine gerechten Prozesse gibt, sondern ungerechte Haft wegen eines anderen Glauben weit verbreitet ist? Wir sind nur auf dem Papier frei und gleich, doch in der Realität sieht es ganz anders aus”.
“Wir fordern einen säkualren Staat, in dem wir alle gleiche Rechte besitzen und vor dem Gericht gleich behandelt werden. Minderheiten wünschen sich die Förderung des Friedens und der religiösen Harmonie in Pakistan“, so der Anwalt abschließend. (PA) (Fides 28/05/2014)