01.08.2025

Belarus: Keine Gottesdienstbesuche für politische Gefangene

Forum 18: Hinter Gittern gibt es nur orthodoxe Kapellen

Oslo (IDEA) – Für politische Gefangene in Weißrussland (Belarus) gibt es keine Religions- und Glaubensfreiheit hinter Gittern. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation „Forum 18“ (Oslo) unter Berufung auf Aussagen von vier freigelassenen politischen Häftlingen. Sie waren am 21. Juni als Teil einer Gruppe von insgesamt 14 Inhaftierten überraschend ins Nachbarland Litauen abgeschoben worden. Der Journalist von Radio Free Europe/Free Liberty Ihar Karnei berichtete gegenüber „Forum 18“, dass es ausschließlich orthodoxe Gefängniskapellen hinter Gittern gebe. „Gott ruft dich vielleicht in die Kirche, aber die Beamten entscheiden“, beschrieb er die erlebten Beschränkungen. Der orthodoxe Christ und bekannte Oppositionelle Sergej Tichanowski berichtete, dass ihm über fünf Jahre lang der Zugang zu einem Priester verwehrt worden sei. Nach den Worten des 25-jährigen Anarchisten Akikhiro Hayeuski-Hanada war es bis Anfang 2023 für politische Gefangene noch möglich gewesen, den orthodoxen Gottesdienst im Arbeitslager Nr. 17 in Schklou zu besuchen. Danach wurde dies verboten, da die Gefängnisleitung befürchtete, die politischen Gefangenen könnten nach dem Gottesdienst miteinander sprechen. Auch der Zugang zu Sportanlagen sei politischen Gefangenen seither verwehrt. Die ehemalige Dozentin für italienische Sprache an der Staatlichen Linguistischen Universität Minsk, Natallia Dulina, berichtete gegenüber „Forum 18“, für nicht-orthodoxe Gefangene gebe es grundsätzlich keine Möglichkeit zum Gottesdienstbesuch. Sie erinnerte an eine katholische Mitgefangene, die einen Antrag auf Besuch der orthodoxen Kapelle im Arbeitslager Nr. 4 für Frauen in Gomel stellte. Doch der Antrag sei abgelehnt worden. Die Leitung der Gefängnisse, in denen die vier Gefangenen saßen, wollte sich gegenüber „Forum 18“ zu den Anschuldigungen nicht äußern. Der verweigerte Zugang zu Gottesdiensten, religiöser Literatur und Besuchen von Geistlichen verstößt gegen die UN-Mindestgrundsätze für die Behandlung von Gefangenen. Laut „Forum 18“ sollen noch über 1.000 politische Gefangene in den Gefängnissen von Belarus sitzen. Seit Juli 2024 soll die dortige Regierung 314 Personen freigelassen haben. Wie es aus den Kreisen von Menschenrechtlern heißt, hofft Präsident Alexander Lukaschenko, so die Beziehungen zur Europäischen Union verbessern zu können. Etwa 78 Prozent der rund 9,5 Millionen Einwohner von Belarus sind Christen, davon der Großteil orthodox. Fast 22 Prozent sind nicht religiös.