03.07.2025

Syrien: Griechisch-orthodoxer Patriarch kritisiert Regierung scharf

Johannes X. nach Anschlag: Regierung muss Verantwortung übernehmen

Damaskus (IDEA) – Nach dem Selbstmordanschlag der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) auf eine Kirche in der syrischen Hauptstadt Damaskus hat ein ranghoher Geistlicher die Mitverantwortung der Regierung herausgestellt. Bei dem Attentat am 22. Juni waren 25 Menschen getötet und 59 verletzt worden. Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien, Johannes X. Jasidschi (Damaskus), warf dem Präsidenten des Landes, Ahmed al-Scharaa, bei einer Beisetzung vor, religiöse Minderheiten nicht zu schützen. Das berichtet die Internetplattform Orthodox Times. Zugleich bedauerte er, dass nach dem Anschlag kein ranghoher Regierungsvertreter vor Ort gewesen sei – mit Ausnahme von Sozialministerin Hind Kabawat, der einzigen Frau und Christin in der neuen syrischen Regierung. Wie es heißt, hat al-Scharaa zwar vor der Beisetzung mit der Kirchengemeinde telefoniert und sein Beileid bekundet, doch das „ist nicht genug für uns“, so der Patriarch. Er fügte hinzu: „Wir fordern eine Regierung, die Verantwortung übernimmt und das Leid ihres Volkes teilt.“ Christen seien „ein integraler Bestandteil dieser Nation“. Sie wollten bleiben und dazu beitragen, das Land wieder aufzubauen. Doch vielen Menschen im Land gehe es schlecht. Täglich klopften Hungernde an die Kirchentüren, um Geld zu erbitten, damit sie sich Brot kaufen könnten. Die Regierung müsse ihre Anstrengungen verstärken, um Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit umzusetzen: „Das ist es, was wir erwarten.“ Der Anschlag war der erste große Angriff auf Christen in Syrien seit dem Sturz des Assad-Regimes.

„Verbrechen gegen alle Syrer“

Präsident al-Scharaa hatte den Anschlag als ein Verbrechen gegen alle Syrer bezeichnet – ohne dass er aber die Worte „Christen“ oder „Kirchen“ gebrauchte. Die neue syrische Übergangsregierung, die nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember gebildet wurde, hat sich zu einer wirksameren Terrorismusbekämpfung verpflichtet.

Nur noch 300.000 Christen im Land

Christen stellten vor dem Bürgerkrieg ab 2011 in Syrien rund zehn Prozent der 22 Millionen Einwohner. Doch viele haben seitdem das Land verlassen. Ihre Zahl wird heute auf noch rund 300.000 geschätzt. Präsident al-Scharaa hatte bei seinem Amtsantritt den Christen in Syrien zugesichert, sie könnten unbehelligt im Land bleiben und ihre Religion frei ausüben.