06.11.2025

Nigeria: Deutsche Bundesregierung sieht Religionsfreiheit in Nigeria bedroht

Islamistische Angriffe und Scharia-Gesetze gefährden Christen

Berlin/Washington/Abuja (IDEA) – Der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel (CDU), hat sich besorgt über die Lage der Religionsfreiheit in Nigeria geäußert. Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA erklärte Rachel, Christen sowie Angehörige anderer Religionen litten dort massiv unter Gewalt. Der nigerianische Staat stehe in der dringenden Verantwortung, für die Sicherheit aller Bürger zu sorgen. Rachel betonte, ihn erreichten Berichte über gezielte Angriffe islamistischer Gruppen auf Christen im Zentrum des Landes sowie über islamistische Terroranschläge im Norden. Die Ursachen für die Gewalt in Nigeria seien vielfältig und komplex. Neben den Christen litten auch Angehörige anderer Religionen unter den Angriffen. Weiter kritisierte Rachel das Scharia-Recht und die Blasphemiegesetze in einigen nördlichen Bundesstaaten. Diese führten „zu dramatischen Verletzungen der Religions- und Weltanschauungsfreiheit für Christen, Atheisten sowie für Angehörige muslimischer Minderheiten“. Die Gesetze stünden im Widerspruch zur in Nigeria verfassungsrechtlich garantierten Religionsfreiheit. Er beobachte die Entwicklung der Religionsfreiheit weiterhin aufmerksam und führe dazu Gespräche mit hochrangigen nigerianischen Kirchenvertretern.

Trump droht mit Militäreinsatz

US-Präsident Donald Trump hatte am 1. November Nigerias Regierung mit Militärschlägen gedroht. Falls diese nicht gegen das „Töten von Christen“ durch „islamistische Terroristen“ vorgehe, werde die US-Regierung sämtliche Hilfen für das Land einstellen und könnte „mit feuernden Gewehren“ einmarschieren, schrieb Trump in seinem Onlinedienst „Truth Social“. Er teilte zudem mit, dass Nigeria nun wieder auf der US-Liste der „Länder von besonderem Interesse“ (CPC) steht. Nigeria stand bereits im Jahr 2020 darauf, wurde jedoch 2021 von der Biden-Regierung gestrichen. Führende christliche Vertreter in den USA hatten zuvor Trump aufgefordert, Nigeria wieder auf diese Liste zu setzen.

69 Prozent aller religiös motivierten Morde an Christen geschehen in Nigeria

Das christliche Hilfswerk Open Doors (Kelkheim) wertet Trumps Drohungen als Ausdruck wachsender internationaler Aufmerksamkeit für die Lage der Christen in Nigeria. Wie die Organisation mitteilte, verüben islamistische Gruppen seit Jahren gezielte Angriffe auf christliche Dörfer. Nach Angaben von Open Doors entfielen 69 Prozent aller religiös motivierten Morde an Christen weltweit auf Nigeria – insgesamt rund 3.100 von 4.476 Opfern. Viele christliche Gemeinden seien „anhaltender und gezielter Gewalt in einem solchen Maß ausgesetzt, dass ganze Siedlungen verschwinden“. Auch Open Doors räumt ein, dass die Ursachen der Konflikte komplex seien und wirtschaftliche, ethnische und machtpolitische Faktoren eine Rolle spielten. Dennoch werde die religiöse Dimension der Übergriffe häufig vernachlässigt. Immer wieder berichteten Augenzeugen von Angreifern, die „Allahu Akbar“ riefen, Kirchen niederbrannten und Christen zwangen, zum Islam überzutreten. Die Open-Doors-Sprecherin für Subsahara-Afrika, Jo Newhouse, bezeichnete Trumps Ankündigung, Nigeria als „Land von besonderem Interesse“ einzustufen, als „einen Schritt in die richtige Richtung“. Zu lange schon würden Christen gezielt angegriffen, „ohne dass dies geahndet wird“.