01.10.2025
Schottland: 75-jährige Christin wiederholt vor Krankenhaus verhaftet
Sie bot Frauen ein Gespräch an, die ihr Kind abtreiben lassen wollen
Glasgow (IDEA) – Die 75-jährige Christin Rose Docherty aus Glasgow ist zum wiederholten Mal verhaftet worden, weil sie abtreibungswilligen Frauen vor einem Krankenhaus Gespräche angeboten hatte. Wie auf einem Video zu sehen ist, hielt sie sich in der Nähe des Königin-Elisabeth-Universitätskrankenhauses auf und hatte ein Schild um den Hals. Darauf stand „Nötigung ist ein Verbrechen, ich bin hier, um mit ihnen zu sprechen, wenn Sie wollen“. Vier Polizisten forderten sie auf, sich zu entfernen. Als sie sich weigerte, wurde sie abgeführt und in eine Zelle gesperrt. Wie die christliche Menschenrechtsorganisation ADF International (Wien) berichtete, nahm die Polizei Docherty nach ihrer Festnahme mehrere Stunden in Gewahrsam. Obwohl sie darauf hinwies, dass sie eine doppelte Hüftprothese habe, bekam sie in ihrer Zelle keinen Stuhl. Sie wurde schließlich angeklagt und gegen Kaution freigelassen. Docherty selbst erklärte laut ADF, dass sie nicht wie eine Kriminelle behandelt werden sollte, „nur weil ich zum Gespräch einlade. Gespräche auf den Straßen von Glasgow sind nicht verboten.“ Dennoch sei sie zum wiederholten Mal aus diesem Grund verhaftet worden. Zum Hintergrund: Docherty war im Februar in Handschellen abgeführt worden, weil sie dasselbe Schild getragen hatte; die Staatsanwaltschaft ließ die Klage gegen sie jedoch im August fallen.
ADF: Polizei sollte sich um die wirklichen Probleme kümmern
Der für ADF tätige Rechtsanwalt Lorcan Price bezeichnete es als „höchst besorgniserregend, dass schottische Polizeikräfte damit beschäftigt sind, eine friedliche Großmutter, die in der Öffentlichkeit zum Gespräch einlädt, festzunehmen und zu verfolgen, anstatt sich den wirklichen Problemen in Glasgow zu widmen“. Docherty habe schließlich niemanden belästigt oder eingeschüchtert und auch nicht gewaltsam protestiert.
Selbst Gebete in den eigenen vier Wänden können strafbar sein
In Schottland gelten seit September 2024 sogenannte „Schutzzonen“ von 200 Metern um jede Abtreibungseinrichtung oder -klinik, die Belästigung, Einschüchterung und das „Beeinflussen“ von Personen verhindern sollen, die eine Abtreibung durchführen lassen möchten. Docherty war die erste Person, die auf dieser Grundlage verhaftet worden war. US-Vizepräsident J.D. Vance hatte bereits im Februar in seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor den Auswirkungen dieses Gesetzes gewarnt. Eine der Initiatioren, Gillian Mackay (Scottish Green Party/Schottische Grüne Partei), hatte dessen Kritik im Interview mit der BBC als falsch zurückgewiesen. Zugleich räumte sie jedoch ein, dass die unklaren Bestimmungen der Schutzzonenregelung dazu führen könnten, dass man auch für das sichtbare Beten am Fenster innerhalb der Zone bestraft werden könnte – „je nachdem, wer am Fenster vorbeigeht“.