15.09.2025
Nepal: Regierungskrise sorgt für Unsicherheit unter Christen
Menschenrechtler berichten von Drohungen gegen Kirchen
Kathmandu (IDEA) – Der Zusammenbruch der nepalesischen Regierung nach landesweiten Protesten versetzt die christliche Minderheit in große Sorge. In mehreren Regionen des mehrheitlich hinduistischen Landes kam es laut der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI) zu Drohungen gegen Kirchen. Extremistische Gruppen könnten das Machtvakuum ausnutzen, um gezielt gegen Christen vorzugehen, warnt ein CSI-Partner vor Ort. Zum Hintergrund: Infolge massiver Proteste trat Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli am 9. September zurück. Auslöser der schwersten Unruhen seit Jahrzehnten war die vorübergehende Blockade von Online-Netzwerken durch die nepalesische Regierung. Vor allem junge Menschen gingen daraufhin am 8. September auf die Straße und protestierten gegen die Regierung und Korruption. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften starben Medienberichten zufolge mindestens 70 Menschen. Hunderte wurden verletzt. CSI betonte, dass die aktuellen Proteste sich gegen die politische Klasse und nicht gegen religiöse Gruppen gerichtet habe. Das Werk befürchtet jedoch, dass monarchistische Akteure versuchen könnten, die Krise für sich auszunutzen. 2008 schaffte Nepal die Monarchie ab und ist seitdem offiziell ein säkularer Staat. Nach wie vor gibt es aber Bewegungen, die versuchen, Nepals Identität als hinduistisches Königreich wiederherzustellen.
Aufruf an Gemeinden: Am Wiederaufbau der Nation mitwirken
Am 12. September übernahm die ehemalige Oberste Richterin Sushila Karki das Amt der Interimspräsidentin. Die 73-Jährige ist damit die erste Frau an der Spitze Nepals. Sie ist bekannt für ihre entschiedene Haltung gegen Korruption. Wie der CSI-Partner auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA erklärte, hat sich die Situation daraufhin am Wochenende beruhigt. Trotzdem herrsche große Unsicherheit: Viele Menschen gingen aktuell nicht zur Arbeit, sondern blieben zu Hause. Wie sich die politische Situation entwickeln wird und ob das Machtvakuum durch Karki tatsächlich wieder gefüllt ist, bleibe abzuwarten. Ein erneutes Aufkeimen von Gewalt könne man nicht ausschließen. Christliche Leiter träfen sich derzeit täglich online zum Gebet und riefen die Gemeinden auf, sich zu engagieren – etwa bei der Straßenreinigung, dem Wiederaufbau zerstörter Polizeistationen oder beim Besuch von Verletzten in den Spitälern. Ziel sei es, in Nepal als „Licht und Salz“ zu wirken, Frieden zu stiften, zu dienen und am Wiederaufbau der Nation mitzuwirken. Von den rund 30 Millionen Einwohnern des Landes sind 66 Prozent Hindus, 13 Prozent Anhänger von Ethno-Religionen, zwölf Prozent Buddhisten und jeweils vier Prozent Christen und Muslime.