07.01.2026

Israel: Ein Toter bei Protest gegen Wehrdienst

Ultra-orthodoxer Teenager von Bus überfahren

(Von Israelnetz/ 7. Januar 2026)  JERUSALEM (inn) – Ein Ultra-Orthodoxer ist am Dienstag in Jerusalem von einem Bus überfahren worden. Der 14-jährige Josef Eisental nahm an einer Demonstration gegen den Gesetzesentwurf für die Wehrpflicht von Ultra-Orthodoxen teil. Drei weitere Teilnehmer wurden verletzt.

Zu dem Tathergang gibt es widersprüchliche Aussagen und Angaben. Der Fernsehsender „Kanal 14“ veröffentlichte am Mittwochmorgen ein Video, das die Minuten vor dem Unfall zeigt. Die israelische Nachrichtenseite „Ynet“ beschreibt den möglichen Ablauf des Hergangs: Das Video zeige, wie die Menge den Bus umringt, während andere in einiger Entfernung Mülltonnen anzünden.

Das Video zeige auch, wie der Fahrer versucht, sich von der großen Menschenmenge zu entfernen. Offenbar war dem Unfall ein Gespräch zwischen dem Fahrer und einer Gruppe von Ultra-Orthodoxen vorausgegangen. Die Demonstranten umringen den Bus weiterhin. Im Hintergrund sind Stimmen zu hören, die dem Fahrer Gewalt androhen und sagen, dass „jemand für alle überfahren wird“.

Die Demonstranten beginnen, herunterzuzählen, offenbar bis zu dem Moment, in dem sie den Bus angreifen würden. Einige Jugendliche beschimpfen den Fahrer als „Terroristen“. Darauf beschleunigt der Fahrer und fährt in die Menge. Dabei gerät Josef Eisental unter die Vorderräder des Busses und wird einige Meter mitgeschleift.

Blockade außerhalb von genehmigtem Demonstrationsbereich

In den israelischen Medien wurde Kritik laut, dass trotz der Minuten währenden Straßenblockade, der brennenden Mülltonnen und der offensichtlichen Aufregung um den Bus keine Polizisten zu sehen waren.

Der polizeilichen Erklärung zufolge ereignete sich der Tathergang außerhalb des genehmigten Demonstrationsbereichs.

Ein weiterer Augenzeuge schilderte den Hergang der Ereignisse gegenüber „Ynet“: „Die Demonstranten hielten den Fahrer an und bespuckten ihn. Er sah keinen Ausweg, und fuhr in die Haredim hinein. Ich sprang zur Seite. Er fuhr in eine andere Straße, überfuhr weitere, dann in die Straße darunter und überfuhr sie erneut. Dort war ein Junge eingeklemmt.“

Ein Polizeisprecher bestätigte, dass der Busfahrer die Polizei vor dem Unfall gerufen hatte. „Das geschah wenige Minuten vor dem Unfall. Der Fahrer wählte die Notrufnummer 100 und sagte, er werde angegriffen, von Randalierern umzingelt und brauche Hilfe. Kurz darauf gab er Gas und fuhr in die Menge.“

Busfahrer vorläufig festgenommen

Die Polizei nahm den Busfahrer schließlich zur näheren Befragung fest und beantragte eine Verlängerung seiner Untersuchungshaft um 15 Tage. Es besteht der Verdacht auf fahrlässige Tötung. Der Sprecher sagte weiter: „Aus den gesammelten Beweisen schließen wir, dass der Fahrer nicht in Lebensgefahr schwebte. Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang. Wir sammeln weiter Beweise. Es ist zu früh, um zu beurteilen, ob Angst vorlag oder nicht.“

Der Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir (Jüdische Stärke) und Finanzminister Bezalel Smotritsch (Religiöser Zionismus) verurteilten den Vorfall. Solche Vorfälle dürften sich nicht wiederholen. Premier Benjamin Netanjahu (Likud) sprach der Familie sein Beileid aus. Die Umstände des „tragischen Unglücks“ würden untersucht. (mh)