07.01.2026
Venezuela: Ein Land im Ausnahmezustand
Nach der Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch US-amerikanische Streitkräfte ist unsicher, wie sich die Lage entwickeln wird. Das christliche Hilfswerk Open Doors berichtet für IDEA
(IDEA) Nach der Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch US-amerikanische Streitkräfte ist unsicher, wie sich die Lage entwickeln wird. Das christliche Hilfswerk Open Doors berichtet für IDEA unter Berufung auf lokale Partner von den Auswirkungen des Militäreinsatzes.
Seit dem 3. Januar stehen wir in engem Austausch mit lokalen Partnern, Mitarbeitern und freiwilligen Helfern in Venezuela. Zusätzlich wurden Pastoren verschiedener Konfessionen und aus unterschiedlichen Regionen des Landes kontaktiert, um ein möglichst umfassendes Bild der Auswirkungen auf die Kirchen zu erhalten. Bei einem Treffen am 5. Januar berichteten lokale Partner von ersten Eindrücken aus dem Land. Während einige Venezolaner die Festnahme von Nicolás Maduro feierten, überwiegt insgesamt die Sorge, dass sich die Lage in den kommenden Tagen weiter zuspitzen könnte. Pastor Gabriel (Namen aus Sicherheitsgründen anonymisiert) wies darauf hin, dass schwierige Entscheidungen bevorstünden – insbesondere im Hinblick darauf, ob die Regierung die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Bedingungen akzeptieren werde. Sollte dies nicht geschehen, sei mit verschärften Restriktionen zu rechnen: Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Verbote von Versammlungen und eine weitere Beschneidung der Meinungsfreiheit könnten die Folge sein.
Bewaffnete Banden ziehen durch die Straßen
Obwohl die Behörden die Bevölkerung zur Rückkehr in den Alltag aufgerufen haben, leben viele Menschen bereits jetzt unter erheblichen Einschränkungen. In mehreren Städten wurde zudem eine verstärkte Präsenz sogenannter „colectivos“ beobachtet – bewaffneter Gruppen, die weitgehend unbehelligt von Polizei und Militär agieren. Dies trägt maßgeblich zu einem Klima der Angst und Unsicherheit bei. Am vergangenen Wochenende war die Verunsicherung in der Bevölkerung deutlich spürbar. Viele Menschen versuchten, Lebensmittel, Gas und andere lebenswichtige Güter zu beschaffen; in einigen Städten blieben Geschäfte geschlossen. In Grenzregionen reisten Bewohner in Nachbarländer, um dort dringend benötigte Waren zu kaufen. Es kam teilweise zu Stromausfällen.
Gottesdienste ausgesetzt
Am 5. Januar rief die Regierung den Ausnahmezustand aus. Er ermöglicht es den Behörden, für zunächst 90 Tage weitreichende Maßnahmen zu ergreifen, bürgerliche Freiheiten wie Bewegungs- und Meinungsfreiheit einzuschränken und reguläre Rechtsverfahren auszusetzen. Eine Verlängerung um weitere 90 Tage ist möglich. Pastor Gabriel berichtete, dass viele Menschen aus Angst vor Repressionen auf Proteste verzichteten. Der Ausnahmezustand schüre große Angst, da Versammlungen schnell als Aufruhr gewertet und verboten werden könnten – mit direkten Konsequenzen für die Kirchen. Auch José, ein anderer lokaler Partner von Open Doors, schilderte, dass bisher keine direkten Auswirkungen auf die laufenden Projekte gemeldet worden seien. Dennoch ist davon auszugehen, dass staatliche Restriktionen in naher Zukunft Projekte und Aktivitäten beeinträchtigen könnten. Vorsicht sei daher geboten. José unterstrich, dass die Kirchen ruhig bleiben und umsichtig handeln müssten, da unklar sei, wie die Regierung reagieren werde. Bereits unmittelbar nach dem Angriff hatten viele Gemeinden landesweit ihre Gottesdienste und Treffen vorsorglich ausgesetzt.