05.06.2026

Iran: Christin Mary Mohammadi nach Rückkehr aus US-Exil verhaftet

Die christliche Bürgerrechtlerin wurde Ende Februar verschleppt

Teheran (IDEA) – Die iranische Bürgerrechtlerin und christliche Konvertitin Mary Mohammadi ist Ende Februar in ihrem Heimatland verschleppt worden. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mitteilte, war die 27-Jährige vor einiger Zeit aus dem Exil in den USA freiwillig in den Iran zurückgekehrt. Bis Ende Februar habe sie sich dort noch in Freiheit befunden. Inzwischen seien bei der IGFM jedoch Berichte aus ihrem familiären Umfeld eingegangen, wonach sie verschleppt worden sei und sich seither an einem unbekannten Ort in Gewahrsam befinde. Nach Recherchen der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ ist Mohammadi von Teheran in die Stadt Ahvaz in der Provinz Khuzestan gereist und habe bis etwa zum 26. Februar 2026 Kontakt zu ihrer Familie gehabt, bevor die Kommunikation abbrach. Die Behörden weigern sich demnach, der Familie Auskunft über ihren Verbleib zu geben. Nach Informationen von Amnesty International wurde sie zunächst in einer Hafteinrichtung des Geheimdienstministeriums in Ahvaz festgehalten und am 2. April 2026 an einen unbekannten Ort verlegt.

Wachsende Repression gegenüber Minderheiten

Der Fall steht laut Amnesty International im Kontext einer massiven Repressionswelle im Iran. Seit den Luftangriffen der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran am 28. Februar 2026 hätten die iranischen Behörden mehr als 6.000 Menschen willkürlich festgenommen, darunter Demonstranten, Journalisten, Anwälte, Menschenrechtler sowie Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten – unter ihnen auch Christen. Mindestens 39 Menschen seien aus politischen Gründen hingerichtet worden.

Rückkehr trotz drohender Verfolgung

Mohammadis Rückkehr in den Iran stellt laut der IGFM keinen Einzelfall dar. Eine Rolle spielten dabei nicht nur Heimweh und der Wunsch, zu einer Verbesserung der Lage im Land beizutragen, sondern „leider auch Rassismus im Land des Exils“. Auch Mohammadi habe „Herabsetzungen“ in den USA erfahren. Dies sei für den Dokumentarfilm „The Passion of a Revolutionary Cinderella“ (Das Leiden einer revolutionären Cinderella) mit versteckter Kamera gefilmt und gezeigt worden. Der 75-minütige Film des iranisch-amerikanischen Regisseurs und TV-Journalisten Siamak Dehghanpour war im Januar 2025 veröffentlicht worden und hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten.

Konversion mit 17 Jahren

Mohammadi war mit 17 Jahren vom Islam zum christlichen Glauben übergetreten. Erstmals wurde sie als 19-Jährige bei einem Hauskirchentreffen festgenommen. Von November 2017 bis Mai 2018 saß sie im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran ein. Am 12. Januar 2020 wurde sie erneut verhaftet, nachdem sie an Protesten gegen die Desinformationspolitik der iranischen Regierung im Zusammenhang mit dem Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine am 8. Januar 2020 durch die Islamischen Revolutionsgarden teilgenommen hatte. Bei dem Abschuss waren 176 Menschen ums Leben gekommen. Mohammadi wurde in der Haft misshandelt und sexuell erniedrigt. Im Zuge dieser Inhaftierung hatten die IGFM und IDEA sie zur „Gefangenen des Monats“ benannt und dazu aufgerufen, sich in Briefen an die iranische Führung für ihre Freilassung einzusetzen. Ende Februar 2020 kam sie gegen Kaution frei. Ein iranisches Gericht verurteilte sie später zu drei Monaten und einem Tag Haft sowie zehn Peitschenhieben, ausgesetzt zur Bewährung. Am 21. Februar 2022 gelang ihr die Ausreise in die USA.

Mit dem Stephanuspreis ausgezeichnet

Für ihr Engagement war Mohammadi im April 2023 in Bonn mit dem Stephanuspreis der Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen ausgezeichnet worden und wurde dafür live aus den USA zugeschaltet. In einem Interview mit IDEA hatte sie damals dazu aufgerufen, sich weiter für politische Gefangene im Iran einzusetzen: Jeder entsprechende Brief fordere die Rechtmäßigkeit des Staates heraus. Im Gefängnis habe sie über einen Freund erfahren, dass die USA sich für sie verwendet hätten. „Jeder Gefangene, der diese Art von Unterstützung hat, erfährt das. Also: Macht weiter mit Eurer Unterstützung!“ Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors leben im Iran rund 800.000 Christen. Etwa 98 Prozent der über 90 Millionen Einwohner sind Muslime, der Großteil von ihnen gehört dem schiitischen Zweig des Islam an.

Lesen Sie hier das IDEA-Interview mit Mary Mohammadi

Lesen Sie hier einen Beitrag von Mary Mohammadi zur Bedeutung von Protestbriefen