11.06.2026

Deutschland: Volker Kauder - Angriffe auf Leipziger Kirchencafé ernst nehmen

(IDEA) Nach 26 mutmaßlich linksextremistisch motivierten Anschlägen stellt das Leipziger „Stay“-Café der pfingstkirchlichen „Zeal Church“ Ende Juni seinen Betrieb ein. Zum Umgang mit dem Fall ein Kommentar von Volker Kauder. Er ist Honorarprofessor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) Gießen und war von 2005 bis 2018 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Die freikirchliche „Zeal Church“ in Leipzig stellt den Betrieb ihres Cafés „Stay“ Ende Juni ein. 26 Angriffe in mehr als zwei Jahren hatte es zuvor gegeben. Der Fall in Leipzig zeigt, dass die verantwortliche kommunale Regierung Fällen wie den Angriffen auf das Café nicht konsequent genug nachgeht. Es könnte auch ein Mangel an Verständnis dafür vorliegen, dass es sich hierbei nicht nur um eine Störaktion handelt, sondern um einen echten Angriff auf eine christliche Gemeinde und ihre religiösen Überzeugungen.

Verstoß gegen die Religionsfreiheit oder antichristliches Hassverbrechen?

Ob hier ein tatsächlicher Verstoß gegen die Religionsfreiheit vorliegt – wie dies teilweise geäußert wurde –, müssen Gerichte prüfen. Und wenn dem so wäre, müssten weitere Konsequenzen folgen. Nach der Definition des „Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte“ (ODIHR) und der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE) ließe sich hier jedoch zumindest von einem antichristlichen Hassverbrechen sprechen. Dafür müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Tat muss erstens eine Straftat darstellen, und sie muss zweitens aus einem antichristlichen Motiv heraus begangen werden. Beide Voraussetzungen liegen hier vor. Die erste und wichtigste Empfehlung dieses Leitfadens lautet: Von politischer Seite muss anerkannt werden, dass solche Vorfälle nicht nur eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit von Einzelpersonen und Gemeinschaften darstellen, sondern auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im weiteren Sinne.

Wir brauchen eine öffentliche Wahrnehmung

Dafür braucht es eine öffentliche Wahrnehmung. Vonseiten der Verantwortungsträger in Leipzig hätte also zumindest die klare Anerkennung der Übergriffe auf das Café als gegen die religiöse Überzeugung der betroffenen Christen erfolgen müssen. Den Betreibern des Cafés kann man nur sagen, dass sie alles richtig gemacht haben, so dass ihnen kein Vorwurf gemacht werden kann. Wer seine religiöse Überzeugung lebt, muss sich dafür in unserem Land nicht rechtfertigen.

Die Vorfälle sind Teil einer größeren Entwicklung in Europa

Wenn man aufgrund dieser Vorfälle nun von einer „Christenverfolgung“ oder einem Trend zu Christenfeindlichkeit sprechen will, muss folgender Kontext beachtet werden: Nicht nur christliche Werke und Kirchen sprechen von einer zunehmenden Intoleranz und Diskriminierung in Europa, sondern auch andere Religionen machen ähnliche Erfahrungen. Eine besonders große Zunahme an Intoleranz und Diskriminierung erfahren Juden in Europa, gefolgt von der Situation der Muslime. Deswegen veröffentlichten die OSZE und ODIHR den praktischen Leitfaden gegen antichristliche Hassverbrechen gemeinsam mit zwei weiteren Leitfäden zu antisemitischen und antimuslimischen Hassverbrechen in Europa.

Mit Gebet reagieren

Bereits die ersten Christen brachten einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit Bedrängnissen, Intoleranz und Diskriminierung mit. Entgegen einer möglicherweise natürlichen Sehnsucht nach Vergeltung, reagierten die frühen Nachfolger Jesu Christi mit der Bitte an Gott um Freimut und Offenheit für die Verkündigung des Evangeliums. Sie wurden ihnen letztlich dann auch in der Kraft des Heiligen Geistes geschenkt (Apostelgeschichte 4,29-31). Diese christusähnliche Reaktion beobachte ich auch bei der Zeal Church in Leipzig und wünsche ihr weiterhin diese Kraft des Heiligen Geistes für ihre Verkündigung und Arbeit.