11.06.2026

Nordirland: Kirchen verurteilen Ausschreitungen nach Messerangriff

Belfast: In der Stadt kam es zu gewaltvollen Protesten gegen Einwanderung

Belfast (IDEA) – Nach einem Messerangriff in Belfast und darauffolgenden gewaltsamen Protesten gegen Einwanderung haben Kirchen und christliche Organisationen in Nordirland die Ausschreitungen scharf verurteilt. Zu den Stimmen zählen der Leiter der Evangelischen Allianz Nordirland, der Erzbischof der anglikanischen Kirche Irlands sowie die Methodistische Kirche in Irland. Zum Hintergrund: Bei dem Messerangriff am Abend des 8. Juni verlor der 44-jährige Stephen Ogilvie Berichten zufolge sein linkes Auge. Er befinde sich in einem kritischen Zustand im Krankenhaus. Auch am rechten Auge soll Ogilvie schwere Verletzungen erlitten haben sowie tiefe Schnittwunden im Gesicht, am Hals und am Rücken. Tatverdächtig ist der 30-jährige Hadi Alodid. Nach Angaben der Polizei stammt er aus dem Sudan und erhielt im September 2023 Asyl in Nordirland. Er wurde festgenommen. Die Behörden werfen ihm versuchten Mord, unerlaubten Messerbesitz und Todesdrohungen vor. Der Angriff löste in Belfast gewaltsame Ausschreitungen gegen Einwanderung aus. In mehreren Stadtteilen kam es zu Protesten, Fahrzeuge und Gebäude wurden in Brand gesetzt.

„Barbarisch und entsetzlich“

Der Leiter der Evangelischen Allianz Nordirland, David Smyth, bezeichnete den Messerangriff laut „Christian Daily“ als „barbarisch“ und „entsetzlich“. Die Wut vieler Menschen sei verständlich, „aber nichts davon rechtfertigt auch nur im Geringsten, dass Menschenmengen ihre Nachbarn wegen ihrer Hautfarbe oder Religion aus ihren Häusern vertreiben“. In einem Facebook-Beitrag vom 10. Juni schrieb Smyth: „Wir beten für alle, die vertrieben wurden, in Angst leben oder anderweitig betroffen sind, sowie für unsere Mitgliedskirchen, die praktische, seelsorgerische und geistliche Unterstützung leisten.“ Der Erzbischof der anglikanischen Kirche Irlands, David McClay, sagte in einer Stellungnahme: „Die gewalttätigen Ausschreitungen (…) sollten von allen vernünftigen Menschen verurteilt werden.“ Diejenigen, die sich entschieden, Menschen jeden Alters – insbesondere die Schwächsten – in Gefahr zu bringen, „sprechen nicht für die Mehrheit unserer Gesellschaft“. Die Methodistische Kirche in Irland erklärte: „Die Gedanken und Gebete der Methodisten in Irland gelten dem Opfer, seiner Familie sowie all jenen, die von diesem traumatischen Vorfall betroffen sind oder ihn miterlebt haben.“ Die Kirche verurteilte zudem „entschieden jeden Versuch, Spannungen zu schüren, Falschinformationen zu verbreiten oder Spaltung in unseren Gemeinschaften zu säen“.

Pastor hilft bedrohten Gemeindemitgliedern

Der Pastor der evangelischen Freikirche „New Life City Church“ in Belfast, Jack McKee, half laut Medienberichten zwei Frauen aus seiner Gemeinde, deren Haus während der Proteste angegriffen wurde. Unbekannte hätten die Fenster eingeschlagen und einen Brandanschlag versucht. Ein Nachbarhaus habe in Flammen gestanden. Nach einem Gespräch mit einer Gruppe junger Männer vor dem Haus habe er die Frauen mit Hilfe von Polizei und Feuerwehr in Sicherheit gebracht. McKee behauptete nach den Ausschreitungen überdies, Menschen würden gezielt angegriffen, weil sie schwarz seien. Auf den Bericht bezog sich später die nordirische Justizministerin Naomi Long. Gegenüber der BBC bestätigte die bekennende Christin die Behauptung des freikirchlichen Pastors und verurteilte die Unruhen. Ferner warf sie rechtsextremen Aktivisten im Internet vor, die Messerattacke auszunutzen, um Spannungen zu schüren.