14.06.2026

Russland: Pastor Yury Sipko als Terrorist eingestuft

Der frühere Baptistenpräsident kritisierte den Krieg gegen die Ukraine

Moskau (IDEA) – Russische Behörden haben den baptistischen Pastor Yury Sipko als Terroristen eingestuft. Seit dem 28. Mai wird sein Name auf der Liste des Föderalen Finanzaufsichtsdienstes Rosfinmonitoring geführt. Darüber berichtet die Menschenrechtsorganisation International Christian Concern (ICC/Washington). Rosfinmonitoring ist die russische Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Mit der Einstufung als Terrorist sind Sipko sämtliche finanziellen Transaktionen sowie die Ausreise aus dem Land untersagt. Der 74-Jährige war früher Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB/2002–2010) und Vizepräsident der Weltallianz der Baptisten (2005–2010). Er hatte sich wiederholt gegen den russischen Krieg in der Ukraine ausgesprochen.

Strafverfahren wegen Kritik am Krieg

Bereits im August 2023 hatte das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation ein Strafverfahren gegen Sipko eingeleitet. Ihm wurde vorgeworfen, Falschinformationen über das russische Militär verbreitet zu haben. Im Zuge der Ermittlungen wurde sein Wohnhaus durchsucht, ein Video davon veröffentlicht. Sipko floh im Herbst 2023 nach Deutschland, wo er bis heute lebt. Auch hier äußerte er sich mehrfach kritisch gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA über den Ukraine-Krieg: „Wie kann ich schweigen, wenn morgens die Nachrichten damit beginnen, dass ein russischer General mir erklärt, unsere Armee habe in einem ukrainischen Dorf ,50 Terroristen‘ eliminiert, obwohl es um unschuldige Bürger geht?“

„Hoppla! Sind die jetzt völlig durchgedreht?“

Auf Nachfrage zeigte sich Sipko gegenüber IDEA recht amüsiert darüber, nun als Terrorist gelistet zu sein: „Mein erster Eindruck – Hoppla! Was ist denn da los? Sind die jetzt völlig durchgedreht? Das ist lächerlich!“ Einen aktuellen Auslöser für die Einstufung konnte der Geistliche nicht nennen. Möglicherweise gebe es Vorschriften, die die Vorgehensweise bei der Verfolgung von Kritikern festlegten. „Ich bewerte diese Aufmerksamkeit mir gegenüber als Fortsetzung ihrer ausufernden Bosheit“, so Sipko zum Vorgehen der russischen Behörden. An sich habe die Listung als Terrorist und die damit verbundene Sperrung von Bankkonten für ihn keine Auswirkungen: Er besitze nichts. Doch für Unterstützer und Freunde könne es durchaus negative Folgen haben, wenn sie auf Aussagen von ihm – dem Terroristen – in den sozialen Medien reagieren, so der 74-Jährige. Laut Sipko ist solch ein Umgang Russlands mit Kritikern nicht neu, sondern schon lange Teil seiner „Politik der Angstmacherei und Unterdrückung jeglicher Versuche, die Wahrheit zu sagen“. Als Beispiel nannte er Nikolay Romanyuk. Ein Gericht hatte den pfingstkirchlichen Pastor im September 2025 wegen der Kritik am Ukraine-Krieg zu vier Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt. Sipko betonte: „Das terroristische Regime in Russland ist totalitär.“ Illusionen über das Vorhandensein gewisser Freiheiten seien meist bewusste Propaganda der Machthaber. Das gelte auch für die Religionsfreiheit. „Jeder Ausdruck der eigenen Freiheit, jede Verweigerung der Unterstützung, geschweige denn jede öffentliche Äußerung von Dissens gegenüber den Handlungen der Machthaber wird bereits im Keim erstickt.“ Von den rund 144 Millionen Einwohnern Russlands sind laut der dortigen Evangelischen Allianz Russlands rund 70 Prozent russisch-orthodox, sechs Prozent Muslime und ein Prozent Protestanten.