13.03.2026
Pakistan: Christen protestieren gegen Massenräumungen
Islamabad: Rund 25.000 Bewohner von zwei Slums sollen ihre Häuser verlassen
Islamabad (IDEA) – Tausende Christen demonstrierten am 11. März in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad gegen einen Erlass der Stadtverwaltung. Dieser besagt, dass sie innerhalb von drei Tagen ihre Häuser in den Slumsiedlungen Rimsha und Akram Masih Gill verlassen sollen. Die meisten der dort lebenden Bewohner sind Christen. Sie trugen bei ihrem Protestmarsch ein großes Holzkreuz. Wie die katholische Nachrichtenagentur UCA News berichtet, löste der Beschluss der Stadtverwaltung scharfe Kritik von Menschenrechtsgruppen und Kirchenvertretern aus. Der Schuldirektor Perwaiz Masih Bhatti, der eine Schule für arme Kinder bis zur fünften Klasse leitet, sagte gegenüber UCA News: „Die Menschen haben Angst vor dem Eintreffen von Abrisskommandos, und viele sind nicht zur Arbeit gegangen.“ Man wolle dort wohnen bleiben.
Menschenrechtler „alarmiert“
Die „Human Rights Commission of Pakistan“ (Menschenrechtskommission Pakistans) zeigte sich „alarmiert“ über den Versuch der Behörden, die überwiegend christlichen Bewohner zu vertreiben. Sie waren Anfang der 2010er Jahre dorthin umgesiedelt worden. Anlass waren Blasphemievorwürfe gegen eine 14-Jährige, die sich später als falsch erwiesen. Die Kommission forderte nun die Bundesminister für Menschenrechte, Inneres, Religionsangelegenheiten und interreligiösen Dialog auf, die drohenden Zwangsräumungen so lange zu stoppen, bis den Einwohnern neue Quartiere angeboten werden können. Auch die „National Commission for Justice and Peace“ (Nationale Kommission für Gerechtigkeit und Frieden) der (katholischen) pakistanischen Bischöfe versucht gemeinsam mit Menschenrechtsgruppen und Politikern, die Zwangsräumungen zu verhindern.
Räumungserlass ist rechtswidrig
Laut UCA News setzte der Oberste Gerichtshof Pakistans 2015 nach einer Verfassungsbeschwerde der linksgerichteten Arbeiterpartei AWP (Awami Workers Party) die Erlaubnis von Zwangsräumungen für eine unbestimmte Zeit aus. Den aktuellen Erlass zur Räumung hält die Menschenrechtskommission deshalb „sowohl für ungerecht als auch für rechtswidrig“. Von den rund 250 Millionen Einwohnern Pakistans sind 96 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen und ein Prozent Hindus. Auf dem Weltverfolgungsindex des Missionswerks Open Doors belegt Pakistan Platz 8 unter jenen 50 Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.