07.08.2026
Spanien: Ceuta - Christen helfen bei der Versorgung von Migranten
Pastorenehefrau berichtet von angespannter Lage nach dem Massenansturm
Ceuta (IDEA) – In der spanischen Stadt Ceuta ist die Lage eine Woche nach dem Massenansturm von Migranten weiterhin angespannt. Trotzdem engagieren sich Christen in der Versorgung der Gestrandeten. Das berichtet die dort lebende Krankenschwester Susana Roop gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Ihr Mann leitet die evangelikale Kirche „Casa de Alabanza“ (Haus des Lobes). Am 30. und 31. Juli waren Zehntausende Migranten von Marokko aus illegal in die nordafrikanische Stadt eingedrungen. Die spanischen Behörden entsandten Soldaten und zusätzliche Polizeikräfte vom Festland. Ein Großteil der Menschen kehrte kurz darauf nach Marokko zurück. Derzeit sollen sich jedoch noch bis zu 5.000 Migranten in Ceuta aufhalten. Laut Roop handelt es sich vor allem um Personen aus Ländern südlich der Sahara. „Als Christ ist mein Herz sehr schwer. Es ist nicht normal, dass Menschen auf der Straße schlafen. Es ist nicht normal, dass man Menschen barfuß sieht.“
„Sandwiches of love“: Christen verteilen belegte Brote
Nach Angaben der 46-Jährigen kampieren viele der Migranten ohne Zelte an einem Strand am Stadtrand. Doch auch in Wohngebieten seien sie präsent: „Heute Morgen um acht Uhr sah ich aus meinem Fenster etwa 20 junge Männer, die auf einem Spielplatz geschlafen haben und sich an einem kleinen Brunnen zu waschen versuchen.“ Neben dem Roten Kreuz und weiteren Organisationen hätten sich Christen unter dem Motto „Sandwiches of love“ zusammengeschlossen, um belegte Brote zuzubereiten und zu verteilen. Auch viele Einzelpersonen versorgten die Gestrandeten: „Bürger, die selbst kaum Geld haben, kaufen den Flüchtlingen ein Brot und geben ihnen etwas Milch.“
Sorge um unbegleitete Minderjährige
Besondere Sorge bereitet der 46-Jährigen das Schicksal der Minderjährigen. Nach Medienberichten befinden sich mindestens 1.000 von ihnen noch in Ceuta. Laut Roop sind viele von ihnen in einer inzwischen überfüllten Einrichtung untergebracht. Für die Mädchen habe die Stadt zwei öffentliche Schulen geöffnet. Die dreifache Mutter warnt, dass die jungen Menschen allein und schutzlos besonders gefährdet seien, ausgebeutet zu werden oder in kriminelle Gruppen zu geraten.
„Es gibt keine Normalität, weil alle Angst haben“
Auch eine Woche nach dem Massenansturm seien Armee und Polizei mit Hubschraubern im Dauereinsatz, berichtet Roop. Gerüchte über einen erneuten Massenansturm am 15. August verunsicherten die Bevölkerung: „Es gibt keine Normalität, weil alle Angst haben, dass sich das wiederholt.“ Aufgrund der zahlreichen Migranten trauten Familien sich derzeit kaum, mit ihren Kindern an den Strand oder auf Spielplätze zu gehen. „Die meisten der Flüchtlinge sind friedlich, aber man weiß nicht, was ein Mensch tun kann, wenn er verzweifelt ist, wenn er ohne Hoffnung und Zukunft ist.“ Die Migranten hätten erklärt, lieber auf der Straße sterben zu wollen, als nach Marokko zurückzukehren. Ceuta sei jedoch eine kleine Stadt, eingeschlossen zwischen der marokkanischen Grenze und der Straße von Gibraltar. Die Migranten könnten sie nicht verlassen, weil sie über keine Visa verfügten. Roop hofft, dass lokale und nationale Regierung eine Lösung finden, „mit Gerechtigkeit und Würde für alle“, damit Ceuta zur Normalität zurückkehren kann.