14.02.2006

Messianische Juden im Kreuzfeuer der Kritik

Chemnitzer jüdische Gemeinde gegen „erneuten Versuch, das Judentum zu vernichten“<br />

Messianische Juden im Kreuzfeuer der Kritik

Chemnitzer jüdische Gemeinde gegen „erneuten Versuch, das Judentum zu vernichten“

C h e m n i t z (idea) - In Chemnitz ist es zu einem Konflikt zwischen der jüdischen Gemeinde und Juden gekommen, die an Jesus als Messias glauben. Die 30 messianischen Juden feiern Gottesdienste am Sabbat; die Liturgie ähnelt der in einer Synagoge, die Verkündigung weist aber auf Jesus Christus hin. Das sei „theologisches Durcheinander“, so die Kritik der jüdischen Gemeinde. Ihre Mitglieder sind meist Zuwanderer aus dem ehemaligen Ostblock. Besonderen Anstoß erregt, daß die messianischen Juden zu ihren Gottesdiensten vor allem die Zuwanderer einladen. Diese Abwerbung 60 Jahre nach dem Holocaust sei ein „erneuter Versuch, das Judentum zu vernichten“. Man nutze die Ahnungslosigkeit und mangelnde religiöse Vorbildung der Zuwanderer aus. Unterstützung bekommen die messianischen Juden von der örtlichen Heilsarmee, die Räume für Gottesdienste zur Verfügung stellt. Hingegen stellt sich die evangelische Kirche auf die Seite der jüdischen Gemeinde. Superintendent Andreas Conzendorf ist gegen die Überlassung von Gemeinderäumen für messianische Gottesdienste. Man dürfe „die schwierige Aufbauphase der jüdischen Gemeinde nicht durch Missionsbemühungen stören“, sagte er der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“. Heilsarmee-Offizier Frank Heinrich weist solche Kritik zurück. Die Gemeinschaft von Judenchristen und Heidenchristen in der Evangelischen Allianz verpflichte zur gegenseitigen Hilfe. In Deutschland gibt es etwa 20 messianische Gemeinden mit rund 600 Mitgliedern.