09.11.2007
Laos: Christen fürchten weiter staatliche Übergriffe
Regierung unterstellt Christen staatsfeindliche Motive
Laos: Christen fürchten weiter staatliche Übergriffe
Regierung unterstellt Christen staatsfeindliche Motive
LOS ANGELES, 17. Oktober 2007 – Nach dem brutalen staatlichen Vorgehen im Juli gegen
Christen in Ban Sai Jarern/Provinz Bokeo im Nordwesten von Laos wagen es nur noch 20 bis
30 Mitglieder der Laos Evangelical Church, sich zu Gottesdiensten zu treffen. Früher besuchten
rund 1.900 Mitglieder die Kirche. 200 Christen aus dem Stamm der Hmong, darunter auch
Frauen und Kinder, wurden vor drei Monaten wegen des Vorwurfs, separatistische Rebellen zu
sein, verhaftet. Viele befinden sich noch in Haft, berichtet der Informationsdienst Compass
Direct. Die Gemeindeleiter sind entweder im Gefängnis oder stehen unter Hausarrest. In der
Kirche, die nicht geschlossen ist, finden derzeit nur noch Gebetsversammlungen statt, an denen
überwiegend Frauen und Kinder teilnehmen. „Die Männer haben Angst, zum Gottesdienst ihre
Häuser zu verlassen“, so ein Informant. Bei groß angelegten Hausdurchsuchungen im Juli
töteten Soldaten und Polizisten mindestens 13 Christen und etwa 200 Angehörige der
evangelikalen Gemeinde wurden festgenommen. Die Christen stammen aus dem
Hmong-Stamm und waren zumeist vor religiöser Verfolgung aus Vietnam in die Volksrepublik
Laos geflüchtet und untergetaucht. Frühere Generationen von Hmong kämpften im
Vietnamkrieg an der Seite von US-Soldaten. Oft hält man sie für Anhänger des
Separatistenführers General Vang Pao. Hmong-Christen werden von der Regierung als
Anhänger einer imperialistischen, ausländischen Religion angesehen, hinter der die politischen
Interessen des Westens, vor allem der USA stehen. So wurden Hmong-Christen bereits
willkürlich verhaftet oder getötet. Gemeindemitglieder aus Ban Sai Jarern berichteten, niemand
aus ihrer Gemeinde hätte Kontakt zu separatistischen Rebellen.
Christen abgeschoben
Familien, die im Juli in die umliegenden Wälder geflüchtet waren, hungern und benötigen
dringend Hilfe, doch die Sperrung des Ortes für Außenstehende macht Hilfslieferungen
schwierig. Einige Familien flüchteten aus Angst vor den laotischen Behörden in angrenzende
Länder. Der Gemeindeleiter Jong Tor Song wurde mit seiner 14-jährigen Tochter nach Vietnam
abgeschoben, wo er zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Abschiebung seiner Frau
und der anderen Kinder war für den 1. Oktober vorgesehen. Ob der Termin eingehalten wurde,
ist nicht bekannt. Weiterhin in Einzelhaft befindet sich der am 3. Juli verhaftete Zaihue Yang,
ein Militärarzt aus dem Dorf Huay Sai. Berichtet wurde, dass die am 12. Juli festgenommenen
Gemeindeleiter Jue Por Wang von der Ban Fai Church und Wang Lee Wang von der Ban Sawan
Church, freigelassen wurden. Am 7. August erfuhr Compass Direct, dass Neng Moua, ein
vietnamesisch-christlicher Hmong, der heimlich in das Dorf Fai zurückkehrte, von einem
Freund erschossen wurde, der ihn für einen Angehörigen der Rebellen hielt. Berichten zufolge
wurden seine Frau und seine Mutter bei der Flucht aus Laos nach Thailand von der Polizei
entdeckt und nach Vietnam ausgewiesen.
Von den 6,3 Millionen Einwohnern Laos sind 61 Prozent Buddhisten, 31 Prozent gehören
Stammesreligionen an, ein Prozent sind Muslime und zwei Prozent Christen, darunter rund
4.000 Hmong-Christen.
Compass Direct/OpenDoors