14.02.2008
Ägypten: Christ verliert im Prozess um Anerkennung seines Religionswechsels
Ex-Muslim kämpft für Änderung der Religion im Ausweis<br />- Nach Todesdrohungen untergetaucht
Ägypten: Christ verliert im Prozess um Anerkennung seines Religionswechsels
Ex-Muslim kämpft für Änderung der Religion im Ausweis
- Nach Todesdrohungen untergetaucht
ISTANBUL, 11. Februar 2008 – Im Kampf um die offizielle Anerkennung seiner Konversion
zum Christentum musste der ehemalige Muslim Muhammad Hegazy eine Niederlage
einstecken. Hegazy wollte seit August 2007 gerichtlich, seine Religionszugehörigkeit in seinen
Ausweispapieren ändern zu lassen, durchsetzen. Laut Artikel II der ägyptischen Verfassung, der
das islamische Recht (Scharia) zur Quelle des ägyptischen Rechtssprechung macht, hieß es in
der Urteilsbegründung von Richter Muhammad Husseini am 29. Januar, es sei gegen
islamisches Recht, wenn ein Muslim den Islam verlässt. Gemäß der Scharia sei der Islam die
endgültige und vollkommene Religion; infolgedessen würden Muslime volle Religionsfreiheit
praktizieren und könnten nicht zu einem älteren Glauben (Christentum oder Judentum)
zurückkehren. „Das ist eine Verletzung meiner Grundrechte", sagte Hegazy, „Was hat der Staat
mit der Religion zu schaffen, die ich annehme?" Islamistische Anwälte haben am 15. Januar
versucht, Hegazys Rechtsbeistand im Gerichtssaal körperlich anzugreifen. Auch Hegazys Frau
Zeinab, die sich vom Islam bekehrt hat, plant die Eintragung des Religionswechsels gerichtlich
durchzusetzen. Nach Todesdrohungen hält sich das Paar seit August versteckt.
Vater: Ich werde meinen Sohn töten
Hegazys Vorstoß ist die erste Aktion eines Konvertiten in Ägypten. Am 25. Januar erklärte
Hegazys Vater in der ägyptischen Zeitung Al-Masry al-Youm, er werde seinen Sohn töten, wenn
er nicht zum Islam zurückkehre. Andernfalls „werde ich ihn mit meinen eigenen Händen
umbringen; ich werde sein Blut öffentlich vergießen." In diesem Artikel wurden Behauptungen
wiederholt, christliche Organisationen hätten Hegazy dafür bezahlt, zu konvertieren. Auch
Gamal Eid, Leiter des Arabischen Netzwerks für Menschenrechtsinformation (ANHRI), dessen
Anwälte den Konvertiten vertreten haben, zeigte sich unzufrieden mit dem Urteil, berichtet der
Informationsdienst Compass Direct. Der Richter hätte ihre Verteidigung nicht angehört und
ihnen „nicht einmal eine Chance gegeben, vor Gericht zu sprechen." Bei einer früheren
Anhörung hatten Eid und sein Team die Niederlegung des Falles gefordert. Hegazys erster
Anwalt legte im August 2007 das Mandat nach Todesdrohungen von Islamisten nieder. Trotz
des Urteils will Hegazy laut ANHRI in Berufung zu gehen oder erneut klagen.
Muslime wollen Konversion gesetzlich verbieten lassen
Jedes Jahr werden in Ägypten Muslime Christen, doch der „Abfall“ vom Islam wird
gesellschaftlich geächtet, so dass viele Konvertiten ihren Glauben geheim halten. Der
Religionseintrag „Muslim" in ihrem Personalausweis zwingt diese Konvertiten zu einem
Doppelleben. So heiraten Paare etwa nach dem islamischen Recht und erhalten islamischen
Religionsunterricht in der Schule. Beim Versuch, die Regierung zum gesetzlichen Verbot des
Religionswechsels vom Islam zu zwingen, haben mehr als ein Dutzend Anwälte unter Führung
von Nabih el-Wahsh am 15. Januar Klage gegen die Regierung und die höchste religiöse
Autorität Ägyptens eingereicht. Zum Beweis einer Bedrohung des Islams durch Bekehrungen
legte El-Wahsh eine Liste von Christen vor, die angeblich an der Taufe von Muslimen in ganz
Ägypten beteiligt seien. Bekannte Pastoren und christliche Menschenrechtsaktivisten auf der im
Internet veröffentlichten Liste sagten Compass Direct, sie fühlten sich zur Zielscheibe gemacht.
So könnten ägyptische Christen aller Konfessionen, von denen angenommen wird, sie würden
Konvertiten unterstützen, Ziel gewalttätiger Angriffe von Islamisten werden.
Keine Angabe der Religion für Bahai
Richter Husseini gewährte am Tag der Urteilsverkündung der religiösen Minderheit der Bahai
in Ägypten ein kleines Maß an Religionsfreiheit. Den rund 2.000 Bahai wurde in den
vergangenen Jahren die Ausstellung von Personalausweisen verweigert. Das oberste
Verwaltungsgericht Ägyptens hatte im Dezember 2006 gegen den Eintrag der Religion der
Bahai in deren offiziellen Dokumenten entschieden, da der Bahai-Glaube nicht zu den vom
Islam anerkannten „Religionen" gehöre. Am 29. Januar erhielt Bahai Raouf Hendy Halim nun
Recht, keine Religionszugehörigkeit seiner Zwillinge in den Ausweisen anzugeben. Halims
Kinder Imad und Nancy konnten ohne Papiere bislang nicht zur Schule gehen. Das Urteil traf
noch einen weiteren Bahai, der die Universität verlassen musste, weil er sich weigerte, unter
einer Religion registriert zu werden, der er nicht angehört. Ein Vertreter der Bahai
Rechtsinitiative EIPR sagte: „Wir hoffen, dass dies für alle Bahai gelten wird, die beantragen,
keine Religionsangabe in den Papiere machen zu dürfen.“
Compass Direct/OpenDoors