14.02.2008
Algerien: Antimissionierungsgesetz bedroht Christen in Algerien
Beunruhigende Prozesse – Zwei Jahre Haft für muslimischen Arzt für<br />Anwendung von Medikamenten der Caritas
Algerien: Antimissionierungsgesetz bedroht Christen in Algerien
Beunruhigende Prozesse – Zwei Jahre Haft für muslimischen Arzt für
Anwendung von Medikamenten der Caritas
Frankfurt am Main (15. Februar 2008) Die seit Anfang 2008 zu beobachtende Umsetzung des
im Sommer 2006 in Algerien in Kraft getretenen Anti-Missionierungs-Gesetzes bedroht
zunehmend die kleine christliche Minderheit im nordafrikanischen Algerien. Die Internationale
Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ist beunruhigt über die Zunahme von
Gerichtsverfahren, Verurteilungen aus nichtigen Gründen und die Einschränkung kirchlicher
Tätigkeit, auch sei von muslimischen Geistlichen dazu aufgerufen worden, Mission zu
unterbinden.
In dem zu 99% islamischen Land Algerien, in dem der Islam Staatsreligion ist, wurde jetzt ein
katholischer Priester aufgrund des Dekretes zur Regelung der religiösen Praxis
nichtmuslimischer Gemeinschaften wegen Teilnahme an einem Gebetstreffen afrikanischer
Christen am 29. Dezember 2007 zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Nach
Angaben der Behörden habe es für den Ort des Treffens keine Zulassung gegeben. Bei der
gleichen Verhandlung wurde nach Angaben von Middle East Concern ein muslimischer Arzt zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er Medikamente benutzt hatte, die er durch Vermittlung der
katholischen Caritas erhalten hatte.
Der Prozess gegen die drei Christen Youssef Ourahmane, Hamid Ramadani und Rashid
Essaghir, der am 12. Februar stattfinden sollte, wurde vertagt. Wegen angeblicher Beleidigung
des Islam wurde ihnen bereits drei Jahre Gefängnis angedroht. Gegen zwei weitere Christen sind
Prozesse für den 5. März und den 2. April 2008 anberaumt worden. Mindestens sieben lokale
christliche Gemeinden wurden wegen fehlender staatlicher Lizenzen geschlossen.
Die Aufenthaltserlaubnis für lateinamerikanische Priester, die für katholische
Kirchengemeinden tätig sind, wurde aufgehoben, das Kirchenpersonal ist von einer
systematischen Verweigerung von Einreise-Visa betroffen.
Die IGFM fordert Algerien auf, die Religionsfreiheit der Nichtmuslime zu achten, die
geschlossenen christlichen Gemeinden wieder zu öffnen, die Prozesse gegen Christen zu
beenden, den verurteilten muslimischen Arzt freizulassen und die Einreise und den Aufenthalt
für Kirchenpersonal zuzulassen.
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www.menschenrechte.de