10.01.2008
Türkei: Kardinal Lehmann kritisiert Religionspolitik der Türkei
Berlin/Deutschland, 19.12.2007 (KAP) Der Vorsitzende der katholischen Deutschen
Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat die Religionspolitik der Türkei scharf kritisiert
und als teilweise "europauntauglich" bezeichnet. Zugleich bekräftigte der Kardinal in einem
Interview des Politikmagazins "Cicero" das deutsche kirchliche Anliegen, im kilikischen Tarsus
eine neue römisch-katholische Kirche zu bauen. Die Stadt ist der Geburtsort des Apostels
Paulus, zu dessen Ehren Papst Benedikt XVI. für 2008 ein internationales "Paulus-Jahr"
ausgerufen hat. Die Idee einer Pilgerkirche geht auf den Kölner Erzbischof Kardinal Joachim
Meisner zurück.
Nach den Worten Lehmanns kann von einem Grundrecht auf freie Religionsausübung für
Christen in islamisch geprägten Ländern bis heute kaum die Rede sein. Dies gelte auch für die
Türkei, die in die EU wolle. Zwar bezeichne sich der Staat als "laizistisch". Tatsächlich werde
der Islam aber durch eine große Behörde ("Diyanet") mit rund 100.000 staatlich besoldeten
Mitarbeitern verwaltet und kontrolliert. Die Türkei gebe religiösen Aktivitäten außerhalb dieses
Rahmens keinen Freiraum, sondern toleriere sie lediglich.
Dabei geht laut Lehmann das Maß an Duldung christlicher Aktivitäten derzeit eher zurück, als
dass es sich auf die in Europa gültigen Standards hin entwickle. Das Anliegen der Kirchen,
ihnen einen eigenen Rechtsstatus zu geben, werde bislang nicht ernst genommen. Die
christlichen Kirchen dürften in der Türkei bis heute kein Grundstück erwerben, um darauf eine
Kirche zu bauen, "weil sie in rechtlicher Hinsicht nicht existieren".
Mit Blick auf die Diskussionen über Moscheebauten in Deutschland betonte der Kardinal die
Religionsfreiheit. Muslime hätten das Recht, würdige Moscheen dort zu bauen, wo sie leben.
Bei der Gewähr von Grundrechten wie Religionsfreiheit müsse es auf Dauer aber eine
Gegenseitigkeit in den islamischen Ländern geben.
Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress (KAP), Wien/Österreich. Eine Partneragentur von
APD Schweiz.