10.01.2008
Türkei: Katholischer Priester in Izmir niedergestochen
Der jugendliche Täter stellte sich der Polizei - Angeblich war der Täter erbittert, weil er nicht zur Taufe zugelassen wurde
Türkei: Katholischer Priester in Izmir niedergestochen
Der jugendliche Täter stellte sich der Polizei - Angeblich war der Täter erbittert, weil er nicht zur Taufe zugelassen wurde
Ankara-Izmir/Türkei, 17.12.2007 (KAP) In der türkischen Ägäis-Metropole Izmir ist es in einer
römisch-katholischen Kirche zu einem Messerattentat auf einen Priester gekommen. Der
Kapuzinerpater Adriano Franchini wurde in der Antoniuskirche in Bayrakli nach der
Sonntagsmesse von einem Jugendlichen niedergestochen. P. Franchini wurde im
Universitätskrankenhaus operiert und ist bereits außer Lebensgefahr. Bei dem jugendlichen
Täter handelte es sich um den 19-jährigen Ramazan Bay, der im Tumult zunächst verschwunden
war, sich dann aber selbst der Polizei stellte.
Bay war seit drei Jahren regelmäßig in die Antoniuskirche gekommen und soll mehrfach seinen
Wunsch nach der Taufe bekundet haben. P. Franchini sagte dem Jugendlichen nach der
Sonntagsmesse neuerlich, dass er ihn noch nicht reif für die Taufe erachte; daraufhin kam es zu
einem Wortwechsel, in dessen Verlauf der 19-jährige ein Messer zog und den Priester
niederstach.
In türkischen und italienischen Medien wurden Vergleiche mit anderen Fällen der letzten zwei
Jahre gezogen, bei denen ebenfalls Jugendliche katholische Priester attackiert hatten. Der
dramatischeste Vorfall ereignete sich am 5. Februar 2006, als ein 16-jähriger den Priester
Andrea Santoro in der Marienkirche von Trabzon (Trapezunt) erschoss. Wenig später schlugen
Jugendliche den Franziskanerpater Martin Kmetec in Izmir nieder. Im Juli 2006 ereignete sich
ein Messerattentat auf Pfarrer Pierre Brunissen in Samsun.
Bei den Tätern handelte es sich jeweils um Jugendliche sehr pluraler ethnischer Herkunft, die
sich ultranationalistischen Gruppierungen angeschlossen hatten, um den "Makel" ihrer Herkunft
zu übertünchen.
Im nationalistischen Milieu - das auch Querverbindungen in den "tiefen Staat" hat - werden in
grotesker Verdrehung der geschichtlichen Tatsachen Christen als "Agenten des Auslands"
dargestellt, die es auf "Unterwanderung" der Türkei abgesehen hätten.
Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress (KAP), Wien/Österreich. Eine Partneragentur von
APD Schweiz.