19.01.2008

Indien: Gewalt gegen Christen gefährdet Demokratie in Indien

Von Angela Reddemann

Indien: Gewalt gegen Christen gefährdet Demokratie in Indien

Von Angela Reddemann

 

NEU-DELHI, 10. Januar 2008 (ZENIT.org).- Die blutigen Ausschreitungen gegen Christen im
indischen Bundesstaat Orissa haben politische Konsequenzen: Der Minister für Bergbau und
Stahl, Padmanabha Behera, ist von seinem Amt zurückgetreten. Er nimmt damit die politische
Verantwortung für die Unruhen auf sich, die sich in seinem Wahlbezirk ereignet hatten.
Zuvor hatte Kardinal Toppo als Vorsitzender der Indischen Bischofskonferenz in einem offenen
Brief an die Regierung appelliert, die Gräueltaten aufzuklären, den Schaden wieder
gutzumachen und für den offiziellen Schutz freier Religionsausübung in Indien Sorge zu tragen.
Premierminister Singh hatte daraufhin zugesagt, persönlich einzugreifen.
Am 27. Dezember 2007 wurden ein Dutzend Kirchen und Kapellen angezündet. Bereits zu
Weihnachten hatten Hindu-Extremisten mindestens zehn Kirchen zerstört. Die Indische
Bischofskonferenz sprach in einem Schreiben von 53 zerstörten Gotteshäusern, fünf Klöstern
und vier Priesterseminaren.
Über Weihnachten waren bei Überfällen extremistischer Hindus im Distrikt Kandhamal fünf
Menschen getötet und rund 2.000 verletzt worden.
Die jüngsten „langen und breit angelegten“ Angriffe gegen Christen in Kandhamal „sind
wirklich tragisch“, schrieb Kardinal Toppo. „Die Serie grundloser und ungerechtfertigte Gewalt
entfesselte sich gegen die Minderheit der christlichen Gemeinde von Tribals und Dalits und war
zweifellos vorsätzlich geplant.“
Die Unruhen brachen an Heiligabend im Ort Bamunigham in einem Zelt aus, in dem eine
Weihnachtskrippe aufgestellt war. Mehrere Hundert Hindu-Extremisten attackierten die
Christen mit Schusswaffen, Schwertern und Stöcken. Ziel waren auch Pfarreien, Schulen und
Sozialeinrichtungen sowie Läden von Christen.
Die Polizei hatte nach den Unruhen zwar hart durchgegriffen und rund 500 Hindus und Christen
vorläufig festgenommen, dennoch betonte Kardinal Toppo in seinem Schreiben, dass die
Behörden nicht in der Lage gewesen seien, im Vorfeld Ruhe und Ordnung herzustellen. Die
Krawalle seien für ihn ein Indiz der unmittelbaren Gefährdung der demokratischen Grundordnung.
Rund 4.000 Christen und Politiker demonstrierten am 30. Dezember 2007 in Neu-Delhi
gemeinsam gegen die antichristliche Gewalt. Sie forderten die Regierung auf, rasche
Maßnahmen zur Beendigung der Angriffe zu einzuleiten und die Sicherheit der Christen zu
gewährleisten. An dem Protestmarsch nahmen auch Erzbischof Vincent Concessao von Delhi
und der ehemalige indische Premierminister Vishwanath Pratap Singh teil. Sie forderten
Gerechtigkeit für die Opfer. Eine Delegation überreichte Premierminister Manmohan Singh in
dessen Residenz ein entsprechendes Memorandum.
Vertreter des Gesamtindischen Christenrates kündigten an, eine Eingabe an die nationale
Menschenrechtskommission zu machen.
Aus dem Bundesstaat Orissa, wo sich die meisten Zwischenfälle ereignet haben, berichtete der
Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar, Raphael Cheenath: „Wir wollten die Problemgebiete
besuchen. Aber die Polizei verweigerte uns unter Verweis auf die Ausgangssperre die Erlaubnis
dazu.“
Der Bundesstaat gilt als Hochburg militanter Hindus. Unter anderem wenden sie sich dagegen,
dass Konvertiten zum Christentum der Status von Stammesangehörigen zugesprochen wird.
Orissa gehört zu den fünf indischen Bundesstaaten, die Anti-Bekehrungsgesetze erlassen haben.
Sie sollen Übertritte von Hindus zu anderen Religionen einschränken.
Von den 1,1 Milliarden Einwohnern Indiens sind 82 Prozent Hindus, 12 Prozent Muslime und
3 Prozent Christen.