22.01.2008
Türkei: Jugendlicher bedroht Christen mit dem Tode
Pastor Orhan Picaklar von der Agape-Gemeinde in Samsun
Türkei: Jugendlicher bedroht Christen mit dem Tode
Pastor Orhan Picaklar von der Agape-Gemeinde in Samsun
S a m s u n (idea) - 12.01.08– Ein türkischer Jugendlicher, der Todesdrohungen gegen einen
protestantischen Pastor und seine Gemeinde gerichtet hat, ist unbehelligt davongekommen. Ein
Richter in der Hafenstadt Samsun am Schwarzen Meer ließ den 17-jährigen Semih Seymen
wegen seines jugendlichen Alters einen Tag nach seiner Festnahme am 6. Januar laufen.
Er darf jedoch das Land nicht verlassen. Gegen diese Entscheidung hat Pastor Orhan Picaklar
von der Agape-Gemeinde in Samsun Beschwerde eingelegt, wie der Informationsdienst
Compass Direct berichtet. Seymen hatte nach seiner Festnahme in seiner Heimatstadt Ordu,
etwa 140 Kilometer von Samsun entfernt, zugegeben, dass er Picaklar mehrfach vom 29.
Dezember an angerufen und ihm gedroht habe, er werde sterben. Er habe das aber nicht ernst
gemeint, sondern den Pastor nur erschrecken wollen, nachdem er sich über Internet-Einträge der
Agape-Gemeinde geärgert habe, sagte er im Polizeiverhör. Er habe auch eine katholische Pfarrei
in Trabzon bedrohen wollen, aber aufgelegt, nachdem sich eine Frau gemeldet habe. Seymen
räumte ein, dass er sich in Telefongesprächen mit Freunden gebrüstet habe, er werde am 6.
Januar ein „Massaker“ verüben.
Pastor verwundert über milde Entscheidung
Picaklar zeigte sich gegenüber der Zeitung Taraf verwundert über den milden Richterspruch. Es
könne nicht sein, dass jemand, der ein „Massaker“ ankündige, ohne weiteres auf freien Fuß
gesetzt werde. Das türkische Gesetz verbiete lediglich eine Inhaftierung von Jugendlichen unter
15 Jahren. Der Pastor verwies darauf, dass einige Männer, die in der jüngsten Vergangenheit
wegen des Verdachts der Ermordung von Christen festgenommen wurden, minderjährig
gewesen seien. Am 18. April 2007 hatten fünf junge Muslime den Deutschen Tilmann Geske
sowie die Türken Necati Aydin und Ugur Yuksel in der osttürkischen Stadt Malatya gefoltert
und ermordet. Die Täter handelten nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus Hass auf
christliche Missionare.