03.09.2008
Pakistan: Christen leben in ständiger Angst und Bedrohung
Interview des Sekretärs der Katholischen Bibelkommission mit „Kirche in Not“
Pakistan: Christen leben in ständiger Angst und Bedrohung
Interview des Sekretärs der Katholischen Bibelkommission mit „Kirche in Not“
LAHORE/KÖNIGSTEIN, 3. September 2008 (ZENIT.org).- Die Christen in Pakistan leben „in ständiger Angst und Bedrohung“, berichtete der Sekretär der Katholischen Bibelkommission Pakistans und Pfarrer einer großen Gemeinde in Lahore, Pater Emmanuel Asi, gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk Kirche in Not.Erst kürzlich sei beispielsweise ein 13-jähriges christliches Mädchen von einem muslimischen Mann entführt und vergewaltigt worden. Zu solchen Vorfällen komme es immer wieder. Um der Strafe für das Verbrechen zu entgehen, würden die Männer behaupten, die vergewaltigte Frau sei nun Muslimin. Der Mann heirate sie, schicke sie jedoch nach kurzer Zeit wieder weg. Niemand könne etwas dagegen unternehmen, denn die Opfer würden von ihren „Ehemännern“ so stark unter Druck gesetzt und mit dem Tode bedroht, dass sie vor Gericht in Gegenwart ihrer Eltern selbst bestätigen, zum Islam übergetreten zu sein. Ein muslimischer Mann könne auf diese Weise straflos jede beliebige Frau entführen und vergewaltigen.Die Armut der pakistanischen Christen führe zudem dazu, dass oft ganze Familien von Großgrundbesitzern abhängig seien. Es handele sich um „eine Form der Sklaverei“. Die Menschen würden nicht monatlich bezahlt, sondern bekämen – wenn überhaupt – erst nach der Ernte ihren geringen Lohn ausgezahlt. Insgesamt würden Christen bei der Arbeitssuche und auch bei der Aufnahme in Schulen und Universitäten stark benachteiligt, da ein christlicher Name für eine Ablehnung ausreiche. Auch vor dem Gesetz seien Christen Bürger zweiter Klasse.Dennoch seien die Christen in Pakistan „stolz und glücklich, dass sie Christen sind“, betonte Asi. Sie fassten ihren christlichen Glauben als „Gnade und großen Segen“ auf, obgleich ihr Leben „schmerzlich und voller Angst und Frustration“ sei. Emmanuel Asi: „Von den Urchristen wissen wir, dass Verfolgung und Unterdrückung eine wichtige Rolle bei der Vertiefung und der Verbreitung des Glaubens spielen. In Pakistan erleben wir es auch.“Positiv sei zudem, dass das Zeugnis der Christen bei der persönlichen Begegnung mit Muslimen etwas verändere und dass diese spürten, dass „Christen anders sind“. Vor allem muslimische Frauen würden angezogen durch „die Freiheit und die Freude“, die sie bei Christinnen erlebten, denn „christlichen Frauen können mit Männern zusammen in die Kirche gehen, sie können im Chor singen, mancherorts können Mädchen sogar Ministrantinnen werden“. Auch die Präsenz von Ordensfrauen sei ein „großartiges Zeugnis“. Viele muslimische Mädchen würden gern in katholischen Schulen unterrichtet werden. Die Kirche setze sich vor allem für die Ausbildung von Frauen ein und unterhalte zahlreiche Frauengruppen, zu denen immer wieder auch muslimische Frauen eingeladen würden. Asi erhofft sich gerade von den Frauen eine Veränderung der Gesellschaft.Christen machen in Pakistan lediglich eine kleine Minderheit von rund 1,5 Prozent an der zu 97 Prozent islamischen Bevölkerung aus. Sie gelten als unterste Stufe der Gesellschaft und werden immer wieder Opfer von Diskriminierung und Übergriffen.