06.08.2009
Nordkorea: Gewissensgefangene nicht vergessen!
Santa Ana (idea) – 06. August 2009 - Hinter der Freude über die überraschende Freilassung von zwei US-Journalistinnen in Nordkorea darf die Sorge um Hunderttausende politische und religiöse Gefangene des kommunistischen Regimes nicht zurücktreten. Mit diesem Appell ist der Mediendirektor des christlichen Hilfswerks Open Doors, Jerry Dykstra (Santa Ana/Kalifornien), an die Öffentlichkeit getreten. Nach Schätzungen der Organisation, die mit Untergrundchristen in Verbindung steht, sind in Nordkorea mindestens 200.000 Menschen inhaftiert, darunter bis zu 60.000 Christen. Wie Dykstra am 5. August erklärte, freue man sich, dass die Mitte März an der Grenze zu China festgenommenen Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee wieder in den USA eingetroffen seien. Ex-Präsident Bill Clinton hatte bei einem Überraschungsbesuch am 4. August in Pjöngjang in Gesprächen mit dem Diktator Kim Jong Il die Begnadigung und Freilassung der beiden Frauen erreicht. Man dürfe aber nicht vergessen, so Dykstra, dass das Regime mit äußerster Brutalität gegen das eigene Volk vorgehe.
Schlimmster Verfolgerstaat Zum siebten Mal in Folge stehe das Land auf dem ersten Platz des jährlich veröffentlichten internationalen Verfolgungsindex von Open Doors. In Nordkorea sei es beispielsweise verboten, die Regierung zu kritisieren, das Land zu verlassen und kein Bild von Kim Jong Il im Haus zu haben. Wer eine Bibel besitze oder den christlichen Glauben praktiziere, riskiere, in Straf- oder Umerziehungslagern eingesperrt bzw. hingerichtet zu werden.
Wegen Bibelverbreitung hingerichtet
Dykstra erinnert an das Schicksal der 33-jährigen Christin Ri Hyon-Ok. Die Mutter von drei Kindern sei wegen Bibelverbreitung am 16. Juni in der Stadt Ryongchon an der Grenze zu China öffentlich hingerichtet worden. Man habe sie beschuldigt, für Südkorea und die Vereinigten Staaten spioniert zu haben. Am Tag nach der Hinrichtung seien ihr Ehemann, die Kinder und die Eltern der Frau in ein Straflager abtransportiert worden. Laut Open Doors hält das Regime das Christentum für eine der größten Gefahren, weil es auch in Osteuropa den Anstoß für den Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft gegeben habe. Von den 23,6 Millionen Einwohnern Nordkoreas sind offiziellen Angaben zufolge etwa 12.000 Christen, die zu vier staatlich anerkannten Kirchengemeinden gehören – zwei evangelischen, einer katholischen und einer russisch-orthodoxen. Religionsstatistiker gehen davon aus, dass sich weit über 400.000 Christen im Verborgenen treffen.