11.08.2009
Eritrea: Weitere elf Geistliche verhaftet
43-jähriger Christ stirbt in Militärgefängnis Mitire
(Open Doors, 12. August 2009) – Erneut hat die Polizei im ostafrikanischen Eritrea Mitglieder der eritreisch-orthodoxen Kirche verhaftet. Wie einheimische Informanten dem Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors berichteten, wurden am 5. August in Medefera und Adi Kuala elf Christen festgenommen. Bereits am 21. Juni wurden 15 Mitglieder der St. Marien Kirche in der Hauptstadt Asmara verhaftet. Die 26 Christen befinden sich im Militärgefängnis Mitire im Nordosten von Eritrea. Sie gehören zu einer Gruppe, die mit einer geplanten Öffentlichkeitsaktion im In- und Ausland auf die staatliche Einmischung in Kirchenangelegenheiten aufmerksam machen wollten. Bei den Männern handelt es sich um: Teklesenbet Mehari - Gebru Kidane - Teklzgi Hagos - Zeremariam Gebrecristos – Kidanemariam Tesfaslasi - Zerai Kiros - Hiabu Genzebu - Zerom Frezgi -Hailemariam Tefamariam – Isak Abraha - Tewodros Efrem Dritter Todesfall in Mitire.
Am 23. Juli verstarb in Mitirelager Yemane Kahasay Andom. Der 43-jährige war Mitglied der Kale-Hiwot Kirche in Mendefera. Angeblich wurde sein Leichnam heimlich im Lager begraben. Das ist der dritte bekannte Todesfall eines Christen in Mitire. Insgesamt sind damit landesweit neun Fälle bekannt, bei denen Christen in eritreischen Gefängnissen gestorben sind. Andom verbrachte 18 Monate im Mitire. Ihm soll die Malariabehandlung verweigert worden sein. Zudem sei er von den Folgen von Misshandlungen und der Einzelhaft in einer unterirdischen Zelle geschwächt gewesen, berichteten einheimische Informanten. Andom habe sich geweigert, ein Dokument zu unterzeichnen. Unklar ist dessen Inhalt. Nach Ansicht vieler Christen, könnte es ein Widerruf seines christlichen Glaubens sein.
Insgesamt neun Christen gestorben. Ebenfalls in Mitire verstarb im Januar Mogos Hagos Kiflom (37) vermutlich an den Folgen von Misshandlungen. Mehari Gebreneguse Asgedom (42) starb am 16. Januar nach fortwährender Folter und an seiner Diabeteserkrankung. In den vergangenen drei Jahren wurde der Tod von weiteren Christen in eritreischen Gefängnissen bekannt:
..Teklesenbet Gebreab Kiflom (36) verstarb im Oktober 2008 im Wi’a Gefängnis an den Folgen von Misshandlungen und Malaria. · Azib Simon (37) verstarb im Juli 2008 im Wi’a Gefängnis. Sie wurde gefoltert und
· Nach Folter verstarb Nigsti Haile (33) im Wi’a Gefängnis am 5. September 2007.
· Magos Solomon Semere (30) verstarb im Februar 2007 im Adi-Nefase Gefängnis bei Assab an den Folgen von Misshandlungen und einer Lungenentzündung.
· Immanuel Andegergesh (23) verstarb im Oktober 2006 im Adi-Quala Gefängnis nach Folter und Austrocknung (Wassermangel).
· Kibrom Firemichel (30) verstarb im Oktober 2006 im Adi-Quala ebenfalls nach Misshandlungen und Wassermangel.
Hintergrund:
Von den 4,9 Millionen Einwohnern Eritreas sind 44 Prozent Christen und 47 Prozent Muslime.
Im Mai 2002 erklärte Präsident Issayas Afewerki alle Angehörigen nicht erlaubter Kirchen – darunter 35 evangelikale – zu Staatsfeinden. Nur die orthodoxe und die katholische Kirche sowie die Lutheraner und der Islam sind anerkannt. Seitdem veranlasst die Regierung Kirchenschließungen und verbietet Privatversammlungen. Nach Angaben von Kirchenleitern sollen derzeit über 2.800 Christen aufgrund ihres Glaubens landesweit in Polizeistationen, Militärlagern oder Schiffscontainern unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt sein. Viele sitzen seit Monaten oder Jahren ohne offizielle Anklage oder Gerichtsverfahren ein.
Schätzungsweise 360 Christen sollen allein in Mitire gefangen sein. In dem Militärcamp im Nordosten von Eritrea sind viele Gefangene aus religiösen Gründen verhaftet; unter anderem Christen, die sich keiner staatlich erlaubten - und damit kontrollierten - Kirche anschließen wollen.