14.08.2009

Vietnam: Erneut gewalttätige Angriffe auf christliche Hauskirchen

Vietnamesische Parteikader setzen private Schlägertrupps gegen christliche Gemeinden ein

Vietnam: Erneut gewalttätige Angriffe auf christliche Hauskirchen

Vietnamesische Parteikader setzen private Schlägertrupps gegen christliche Gemeinden ein

IGFM, Thanh Hoa/Frankfurt (14. August 2009) – Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wirft der vietnamesischen Regierung vor, bei Angriffen gegen christliche Religionsgemeinschaften private Schlägertrupps als angeblich „empörte Bevölkerung“ vorzuschicken und Gläubige verprügeln zu lassen. Am 9. August setzte ein örtlicher Parteisekretär bei der Auflösung der Full Gospel Church in der nordvietnamesischen Provinz Thanh Hoa Polizisten in Zivil und private Schlägertrupps ein. Pastor Tran Van Ky und neun weitere Christen wurden brutal geschlagen und misshandelt, berichtet die IGFM . Die Verfolgung dieser Hausgemeinde dauere bereits zehn Jahre an, ohne dass die Zentralregierung eingreife, kritisiert die IGFM. Die IGFM ist ferner besorgt über die Zunahme gewalttätiger Ausschreitungen gegen evangelische Hausgemeinden und die Verschlechterung der Lage der Christen in Vietnam.

Zwanzig Christen versammelten sich am 9. August 2009 in einem Privathaus in der Provinz Thanh Hoa, als Polizisten in Zivil und private Schlägertrupps unter der Leitung des Parteisekretärs der örtlichen Kommunistischen Partei Vietnams das Haus umzingelten. Der Parteisekretär schaute zu, wie der Mob Pastor Tran Van Ky und die Christen blutig niederschlug. Als die Christen den Übergriff anzeigen wollten, sagte die Provinzpolizei, dass sie "die Täter nicht kenne: Es sei wohl die aufgebrachte Bevölkerung gewesen". Zu den Verletzten zählten auch die Frau und der Sohn des Pastors Nguyen Trung Ton von der Full Gospel Church in Thanh Hoa. Pastor Ton wurde bereits am 26. Juli 2009 in demselben Haus von einem Mob unter der Leitung desselben Parteisekretärs angegriffen. Im März 2009 hatte sich Pastor Ton mit der US-amerikanischen Kommission für Internationale Religionsfreiheit (USCIRF) getroffen, um über die Lage seiner Kirche zu berichten. Die USCIRF kann dem US-Außenministerium Staaten mit eingeschränkter Religionsfreiheit zur Aufnahme in die Liste der „Besorgniserregenden Länder“ empfehlen. Die Full Gospel Church in Thanh Hoa gehört zu den Kirchen in Vietnam, die trotz nachhaltiger Bemühungen keine staatliche Zulassung erhalten und deswegen von der Regierung als „illegale Religionsgemeinschaft“ angesehen und verfolgt werden. In geheimen Instruktionen der Regierung an für Religionsangelegenheiten zuständige Parteikader, die der IGFM vorliegen, werden diese sogenannten "Neuchristen" als inakzeptabel bezeichnet. Den „Neuchristen“ werde somit jegliche Chance genommen, jemals eine Genehmigung zu erlangen, kritisiert die IGFM. Seit Anfang des Jahres legte die Regierung eine härtere Gangart gegen neue evangelische Hausgemeinden und Neuchristen ein. Auch in Hanoi wurden evangelische Hausgemeinden drangsaliert und deren Mitglieder geschlagen. Immer wieder setzt die Regierung Schlägertrupps ein, die sie als „Volkszorn“ kaschiert, um sich die eigenen Finger nicht schmutzig zu machen.