11.12.2009
Deutschland: Evangelische Kirche darf in U-Bahnen nicht werben
Verkehrsgesellschaft Frankfurt verbietet Aktion „Es steckt mehr dahinter"
Deutschland: Evangelische Kirche darf in U-Bahnen nicht werben
Verkehrsgesellschaft Frankfurt verbietet Aktion „Es steckt mehr dahinter"
Frankfurt am Main (idea) - 11. Dezember 2009 – Die evangelische Kirche darf in den U-Bahnen in Frankfurt am Main nicht auf den christlichen Hintergrund der Advents- und Weihnachtszeit hinweisen.
Das hat die Verkehrsgesellschaft Frankfurt entschieden. Der Evangelische Regionalverband wollte in öffentlichen Verkehrsmitteln Plakate mit dem Slogan „Es steckt mehr dahinter" anbringen lassen, die einen Adventskalender samt Schokoladen und Lebkuchen sowie eine Internetadresse www.frankfurt-evangelisch.de zeigen. Dort können sich Interessenten die Weihnachtsgeschichte anhören. Auch finden sie Adressen von Frankfurter Kirchengemeinden, die Advents- und Weihnachtsgottesdienste anbieten. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt lehnte es jedoch ab, diese Plakate auszuhängen. Religiöse Werbung sei seit März durch einen Beschluss der Geschäftsführung untersagt worden, hieß es zur Begründung. Die Vorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes, Pfarrerin Esther Gebhardt, hat die Entscheidung scharf kritisiert: „So leicht darf man es sich nicht machen: Unter dem Deckmantel der Neutralität die Spuren der Religion aus unserer Öffentlichkeit zu tilgen, ist ein falscher Weg." Der Staat habe die Pflicht, Religion „als Bestimmungskraft für das Leben vieler Bürger wahrzunehmen" und zu fördern. Der Vorgang hatte auf der jüngsten Sitzung des Stadtparlamentes am 10. Dezember ein politisches Nachspiel. Die SPD-Fraktion stellte den Antrag, der Kirche die Werbung zu erlauben, was aber mehrheitlich von der Koalition aus CDU und Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt wurde. Zuvor hatten sich auch Oberbürgermeisterin Petra Roth sowie Kämmerer und Kirchendezernent Uwe Becker (beide CDU) dafür ausgesprochen, das grundsätzliche Nein zu religiöser Werbung in Bussen und Bahnen zu lockern und künftig „Einzelfallentscheidungen" zu treffen.
„Weihnachten ist mehr als Glühweinduft und Heiteitei"
Die Frankfurter Staatsrechtlerin Ute Sacksofsky von der Johann Wolfgang Goethe-Universität sieht im kirchlichen Werbeverbot einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit. Auch der Pressesprecher des Evangelischen Regionalverbandes, Pfarrer Ralf Bräuer, kritisiert das Werbeverbot gegenüber idea: „Weihnachten ist doch mehr als Weihnachtsmärkte mit Glühweinduft und Heiteitei." Eine solche „Pervertierung" des christlichen Weihnachtsfestes könne die Kirche nicht akzeptieren. Er räumte ein, dass es für eine Plakataktion in der Adventszeit inzwischen zu spät ist. Die Kirche plane aber für Ostern 2010 eine ähnliche Aktion.