12.12.2009

Malediven: Keine Religionsfreiheit in Sicht

AKREF/JJ – 12.12.2009 - Am 18. November hat das Parlament der Malediven einen Gesetzesentwurf einstimmig in erster Lesung angenommen, durch den alle nichtislamischen Gottesdienststätten verboten sind. Dieser Gesetzesentwurf enthält auch Strafbestimmung für die Verletzung des Verbots, die von hohen Geldstrafen bis zu langjährigen Kerkerstrafen reichen. Wie einige Mitglieder des Parlaments betont haben, bringen diese Bestimmungen - falls sie beschlossen werden - keineswegs Neues. Auch jetzt gibt es auf den Malediven weder Kirchen noch sonstige Versammlungsstätten nicht islamischer Religionen und auch keine schiitischen Moscheen. In einer offiziellen Aussendung heißt es: „In Bombay mag es in derselben Straße Moscheen, Kirchen, Tempel und Synagogen geben, aber wir wollen das hier nicht." Bereits jetzt können Nichtmoslems aufgrund der Verfassung nicht Staatsbürger der Malediven sein und dürfen keine Gesetze beschlossen werden, die dem sunnitischen Islam in der engen Auslegung durch die Regierung der Malediven widersprechen. Somit würde das neue Gesetz keine neuen Restriktionen mit sich bringen. Präsident Mohamed Nasheeds Büro ließ verlauten, dass der Präsident beabsichtigt, das Gesetz zu unterschreiben, falls es verabschiedet wird.

Weshalb gibt es auf den Malediven eine derartige Feindseligkeit gegenüber der Religionsfreiheit? Die meisten Malediver haben dafür keinerlei Verständnis. Ein Bürger der Malediven, der aus Angst vor Repressionen nicht namentlich genannt werden möchte, erklärte gegenüber Forum 18: „wenige Malediver verstehen, was Religionsfreiheit ist. Ich glaube auch, dass viele befürchten, dass Religionsfreiheit in Erwägung zu ziehen schon Blasphemie ist." Dennoch bekennen sich einige von ihnen geschützt durch die Anonymität des Internet dazu, keine Moslems oder nicht religiös zu sein. Die wenigen christlichen Webseiten in der Landessprache werden vom Staat blockiert.

Während der Regierungszeit des 2008 abgewählten Vorgängers des heutigen Präsidenten, Maumoon Abdul Gayoom, wurden die ehemals religiös toleranten und vom Volksislam geprägten Malediven zu einem Staat, der ausschließlich den sunnitischen Islam in seiner staatlich genehmigten Form toleriert. Auch Gastarbeiter dürfen ihre Religion nicht öffentlich ausüben. Gebetskreise oder religiöse Treffen in Privatwohnungen sind verboten.  Der Minister für menschliche Ressourcen, Jugend und Sport erklärte, auch nach dem Beitritt zur Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) würden die Malediven die Religions- oder Glaubensfreiheit von Gastarbeitern nicht respektieren.

In Anbetracht der negativen Einstellung der Regierung bezüglich ihrer internationalen Menschenrechtsverpflichtungen ist keine Besserung der Lage zu erwaren. Andrerseits ist ein starker sozialer Druck spürbar, eine radikalere islamische Identität anzunehmen. Die einzige Möglichkeit für Personen, die ihre Kinder nicht im Sinne der staatlich verordneten Richtung des Islam erziehen wollen oder gar eine andere Religion ausüben, liegt derzeit und wahrscheinlich auch in näherer Zukunft in der Auswanderung.

Quelle: Forum 18 News Service, Oslo

Übersetzung: AK Religionsfreiheit der Evangelischen Allianz