13.11.2009

Belarus: Bei uns gibt es Orthodoxe, Katholiken und Moslems, alle anderen sind Sekten

AKREF/JJ  - 14.11.2009 - Auf Aufforderung des Exekutivkomitees der Stadt Minsk besuchte die Stadtpolizei von Minsk Familie Kagramanyan, die der Pfingstbewegung angehört. Eine der ersten Fragen war, was sie bei der  Neues Leben Gemeinde getan hätten. Offensichtlich waren sie dort beobachtet worden. Dieser inzwischen international bekannten Minsker Gemeinde droht seit Jahren die Konfiskation des mit großem Aufwand renovierten Gemeindehauses. Armen Kagramanyan, der Familienvater, unterstützt den Pastor der Gemeinde Neue Generation in der Stadt Baranovichi in der Nähe von Minsk, die zum selben Gemeindebund gehört wie die Neues Leben Gemeinde und hat daher Kontakte zu dieser. Insbesondere wurde die Familie gefragt, ob in ihrer Wohnung Gottesdienste abgehalten werden, welche Kirche oder Gemeinde sie besuchen, und warum sie gläubig sind. Der stellvertretende Polizeichef des Minsker Stadtbezirks Frunze, Dinas Linkus, der auch für öffentliche Sicherheit verantwortlich ist, erklärte gegenüber Forum 18, dass die Familie nichts mehr zu befürchten hat, da jetzt alle Fragen geklärt sind. Im Zusammenhang mit dem Gespräch über den Besuch der Polizei bei Familie Kagramanyan erklärte Linkus: „Bei uns gibt es Orthodoxe, Katholiken und Moslems, alle anderen sind Sekten". Armen und Kristina Kagramanyan leben seit 1991 in Belarus, stammen aber aus Nagorno Karabach im südlichen Kaukasus und sind ethnische Armenier. Da sie keine weißrussischen Staatsbürger sind, befürchten sie die Ausweisung.

Im Dorf Voropaevo in der Region Vitebsk wurde die Baptistengemeinde „Verklärung" wegen der Abhaltung von Gottesdiensten in ihrem eigenen Gebäude mit einer Geldstrafe belegt. Die offiziell registrierte Baptistengemeinde erhielt in den Jahren 2004 bis 2006 die Erlaubnis, das Gebäude für Gottesdienste zu nutzen. Dieses gehörte damals Pastor Aleksei Aleschevsky, der es inzwischen an die Gemeinde verkauft hat. Dadurch - so das Argument des Gerichts - ist die Genehmigung zur Nutzung für Gottesdienste erloschen. Die Geldstrafe von 700.000 belarussischen Rubel entspricht etwa 3 Monatsgehältern. Pastor Aleschevsky klagt: „Einige Kirchen sind privilegiert, alle übrigen werden bestraft"

In einer anderen Rechtssache gegen Baptisten wurde das Verfahren gegen Pastor Sergei Dedovets wegen Leitung von Gottesdiensten ohne staatliche Registrierung eingestellt. „Es wurde keine Straftat verübt", hieß es in einer Erklärung der Gerichtskanzlei. Familienangehörige von Pastor Dedovets führen die überraschende Wende des Verfahrens auf die Gebete von Christen auf der ganzen Welt zurück.

Quelle: Forum 18 News Service, Oslo

Übersetzung: AK Religionsfreiheit der Evangelischen Allianz