30.09.2009
Vietnam: 400 buddhistische Mönche und Nonnen aus Kloster vertrieben
IGFM: Kein Lebenszeichen von verschleppten Mönchen
Vietnam: 400 buddhistische Mönche und Nonnen aus Kloster vertrieben
IGFM: Kein Lebenszeichen von verschleppten Mönchen
Bao-Loc – Frankfurt am Main (30. September 2009) – Am Morgen des 28. September wurden um 6 Uhr rund 400 buddhistische Mönche und Nonnen aus dem Kloster Bat Nha in der zentralvietnamesischen Stadt Bao-Loc vertrieben, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die Schülerinnen und Schüler des Zenmeisters Thich Nhat Hanh flohen zu Fuß den beschwerlichen, 17 Kilometer weiten Weg zur Pagode Phuoc Hue. An diesem Zufluchtsort dürfen sie sich wahrscheinlich nicht länger aufhalten, befürchtet die IGFM. Die in Frankfurt am Main ansässige Menschenrechtsorganisation verurteilt die Vertreibung, die offensichtlich von der vietnamesischen Regierung geplant und organisiert war. Die IGFM ruft Vietnam auf, endlich die Eskalation der Gewalt zu beenden und den vertriebenen Buddhisten Religionsfreiheit zu gewähren.
Wie die IGFM am vergangenen Montag berichtete, griffen mehrere Hundert maskierte Schläger und Milizionäre unter dem Schutz der Polizei das Kloster an. Die leitenden Mönchen Phap Hoi, Phap Tu und Phap Si wurden abgeführt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt fehlt von ihnen jedes Lebenszeichen. Die Polizei sperrte die Zugangswege zum Kloster. Die Angreifer zerstörten Türen, Mobiliar und buddhistische Kult-gegenstände. Die in Lotussitzstellung meditierenden Mönche wurden aus den Gebäuden gezerrt und misshandelt. Später griff der marodierende Mob die Wohnanlage der Nonnen an. Die Mönche und Nonnen mussten während der kalten und regnerischen Nacht Zuflucht in den Wäldern suchen, um neuen Übergriffen zu entgehen. Vertreter der Ortsverwaltung von Bao-Loc beobachteten die Übergriffe von Beginn an, ohne einzuschreiten.
Die Situation in der Pagode Phuoc Hue, deren Abt sich in den letzten Tagen für die Mönche aus dem Kloster eingesetzt hatte, ist angespannt. Neue Übergriffe werden befürchtet. Da einige der Mönche verletzt sind, bereits 24 Stunden ohne Nahrung die Nacht im Regen verbringen mussten, kam es bereits zu körperlichen Zusammenbrüchen. Es ist ungewiss, wie lange die Mönche in der Pagode Phuoc Hue Zuflucht suchen dürfen. Der Abt dieser Pagode hat sich bereit erklärt, die Flüchtlinge unter seine Obhut zu nehmen. Dagegen hat die Polizei den Weitermarsch angeordnet. Die Opfer baten um einige Tage Aufschub, weil sie Zeit für die Regenerierung brauchen.
Die Polizei unterband mehrfach Besuche durch Ortsvertreter der Buddhistischen Kirche. Sie warf dem Abt der Pagode vor, das Asyl für die 400 vertriebenen Buddhisten ohne Abstimmung mit den Behörden gewährt zu haben. Am Abend des 28. September fand man anonyme Drohbriefe an den Abt. Man könnte ihn auch aus seiner Pagode vertreiben, hieß es darin.
Der Konflikt der Behörde mit der buddhistischen Gemeinde und der Klostergemeinschaft von Zenmeister Thich Nhat Hanh hat einen politischen Hintergrund. Thich Nhat Hanh kehrte 2006 nach 40jährigem Exil nach Vietnam zurück. Bei seinem zweiten Besuch 2007 appellierte der Zenmeister an die Regierung, Maßnahmen für eine Versöhnung des Volkes nach dem Krieg einzuleiten. Als Beispiele nannte er die Einrichtung einer Gedenkstätte für die verstorbenen Bootsflüchtlinge und die Pflege der Gräber südviet-namesischer Soldaten zu erlauben. Als Zeichen der Religionsfreiheit schlug der Zenmeister vor, die seit 1981 verbotene Vereinigte Buddhistische Kirche Vietnams wieder offiziell zuzulassen und die Religions-polizei sowie die Regierungskommission für Religiöse Angelegenheiten aufzulösen. Daraufhin erklärte die Regierungskommission den Meister und seine Schüler zu politischen Gegnern. Zur Begründung wird Thich Nhat Hanh vorgeworfen, er habe bei seinen drei Besuchen das vietnamesische Gesetz gebrochen.