02.12.2010
Indonesien: Zeugenaussagen
Zeugenaussagen von Personen, die gegen die in Aceh geltenden, an der Scharia orientierten Gesetze verstoßen haben sollen
Indonesien: Zeugenaussagen
Zeugenaussagen von Personen, die gegen die in Aceh geltenden, an der Scharia orientierten Gesetze verstoßen haben sollen
„Meine Mutter holte mich um 7 Uhr [bei der Scharia-Polizei] ab. Ich weinte. Doni, ein Dozent meiner Universität, war da und machte mir Vorhaltungen. Ein Scharia-Polizist sagte ihm, man hätte mich [auf einer abgelegenen Straße gemeinsam mit meinem Freund auf dem Motorrad] erwischt. Zu meiner Mutter und mir sagte er, ich solle zu Tode gesteinigt werden. Ich erwiderte: 'Sir, ich wollte lediglich den kürzesten Weg nehmen, und dafür soll ich gesteinigt werden? Was ist mit den Beamten, die mich gestern Nacht vergewaltigt haben?'“ – Nita, 20, wurde im Januar 2010 von der Scharia-Polizei (Wilayatul
Hisbah) wegen Verstoßes gegen das „Seklusions-Gesetz“ festgenommen und in Polizeigewahrsam vergewaltigt.
„Vor dem Haus haben sie Budi verprügelt und ihn dann zu Fuß [zum Gebetsraum] ganz in der Nähe gebracht. Dort haben sie weiter auf ihn eingeschlagen und brennende Zigaretten auf seinem Körper ausgedrückt. Es kamen weitere Männer aus der Gemeinde hinzu, es waren etwa 50. Viele von ihnen haben auf ihn eingeschlagen... Die Polizei hat in jener Nacht niemanden zu dem Vorfall befragt, obwohl Budi eine gebrochene Rippe und überall Brandmale von Zigaretten hatte, sein Gesicht grün und blau geschlagen war und seine Lippen aufgeplatzt waren und bluteten... Die Regierung muss dafür sorgen, dass anderen Menschen nicht das gleiche widerfährt.“ – Rohani, die Zeugin wurde, als Budi, der 21-jährige Freund ihrer 17 Jahre alten Tochter Sri von Gemeindemitgliedern verprügelt wurde, die glaubten, Sri und Budi hätten in Ronanis Haus gegen das „Seklusions-Gesetz“ verstoßen.
„Ich hörte Lärm, wie von einer aufgebrachten Menschenmenge. Da war eine Gruppe von mehr als zehn, aber weniger als 50 Männern... Sie brachen die Tür auf und schlugen [Nurdin], ohne auch nur ein Wort zu verlieren. Er blutete aus der Nase... Sie nahmen Sachen von uns mit, unsere Handys, die Aufladegeräte und einen kleinen Fernseher. Einer fasste mir an die Brüste, als wäre ich ein leichtes Mädchen, das mit einem Mann in einem Haus erwischt worden ist. Ich habe mich sehr geschämt... Nachdem ich [aus dem Polizeigewahrsam wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das „Seklusions-Gesetz“] entlassen wurde, wollte ich sofort weg [aus Aceh]..., weil mein [Schuldbekenntnis] frei erfunden war und sehr beschämend. Es war einfach widerlich, und ich habe mich so geschämt...
Es war schrecklich, aber noch schlimmer war es für [Nurdin]. Als er nach Hause zurückkam, sagte ihm der Dorfvorsteher, er könne nicht länger bleiben, müsse alle seine Sachen dem Dorf überlassen und verlangte Geld, um eine Kuh oder ein Schaf zu schlachten und zuzubereiten, als Entschädigung dafür, dass er das Dorf blamiert hätte.“ – Rosmiati, die von Nachbarn angegriffen wurde, die sie und ihren Freund Nurdin des Verstoßes gegen das „Seklusions-Gesetz“ beschuldigten, weil sich Rosmiati an einem Abend im Januar 2009 gerade einmal 20 Minuten in seinem Haus aufgehalten hatte.
„Ich sagte: 'Es ist meine Entscheidung, ob ich einen Schleier trage – ich muss mich doch vor Gott verantworten.' Die Antwort [des Scharia-Polizisten] war: 'Nein, dafür gibt es Regeln im Islam.' Dann gaben sie mir meinen Ausweis wieder und sagten, man würde mich auspeitschen, wenn ich dreimal gegen diese Regelung vestieße... Ich würde ja vielleicht einen Schleier tragen, aber nicht, weil mich die [Scharia-Polizei] dazu zwingt, sondern weil ich es selbst möchte.“ – Dewi, die von der Scharia-Polizei angehalten wurde, weil sie im Mai 2010 gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verstoßen hatte. Sie hatte keinen Schleier getragen.
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